Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1929-1930
- Issue
- Heft 2 (Juli 1929)
- Article
- Die Judenpolitik Herzog Heinrichs des Reichen von Landshut
- Date
- 1929-07-01
- Page
- Seite 98 (sequence 3)
- Language
- German
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Raphael Straus. Die Judenpolitik Herzoff Heinrichs des Reichen von Landshut. sein, als kain Crist sol kamen Wucherer aufhalten noch im sein haus leifyn, und was die fürsten von in nemen als von Wucherern, das mugen sie nicht behalten, sunder sie sollen das keren in Gottes ere. das sie Cristenplüt bedürfen, das bat manger großer maister geschriben, und ist das also, so ist es ain groß mirackel und ain bestatigung unsers ^eiligen glaubens und ist den Juden gegeben zu erkanntnuss ires ungelaubens und ist auch gefunden, das sie Cristenmenschen getöt haben, das plut zu gebrauchen. Darumb sol euer gnaden nicht unwillig sein über den, der das in der predig gewert bat. ich pit euer fürstlich ere, das ir bedencket, was euch vor unserm heiligen vater dem Bapst ereit war, das man solt erzelen söllich sach- Bedenckt auch, was ir lones von dem allmächtigen Got habt von dem, das ir haltet die offenbar Wucherer sein, die unsern erlöser Cristum und seine raine muter versmächend, die euch und all Cristen für ungelaubig halten, und vil ander stück, die ich yetzo nit erkan beschreiben. Hierumb ist kain Jud in Engellant, in Franckreich, in Sicilien, in Chriechen. in Rom sind sie gehalten gleicherweise als versmächt, verworfen menschen, nu bedenck euer gnad Cristum und alles das zu eren, das Cristum eret, und wer nicht Cristi enist, der ist kain Crist, und wer nit an Got gelaubt, der ist des teuf eis, und wer von wucher lebet und des gebraucht und tail darvon niembt und für sich behelt oder in seinen nutz keret, der ist in gleich, die den wucher treiben. Darvor wolle der allmächtig Got euer herlickait behüeten und hail euer sei verleihen, das wil ich pitten, pittet ir, das er wolle mich armen sünder erhören, was euer fürstlich gnad mir wil bevelhen, das wil ich tun zu aller Zeit mit gutem willen. Geschriben bei Rom zu Spolet, da yetzo der Babst ist mit hofe dar geflohen vor der pestilentz, die zu Rome ist, wiewol sie doch auch hie und in allen Stetten h'iebei ist, auf der heiligen Aposteln tag Peter und Pauls. euren fürstlicher herlickait diemütiger diener Heinrich Kalteisen predigerordens maister in der heiligen geschrift und in dem heiligen pallast des Babst zu Rome?) Daß der nicht genannte Empfänger nicht Herzog Wilhelm war, wie man zunächst wegen der „zu Basel" geschlossenen Bekanntschaft annehmen könnte, sondern Herzog Heinrich, das erweist sich aus folgender Stelle der Landshuter Stadtchronik zum Jahre 14492): „Item anno Domini 1449 belab des alt Rath und ward nicht gesezt, wan es was ain Lesmaister zu den Predigern, der vast wider die Juden prediget, der hieß Bruder Heinrich Feuchtwanger, also das er mit seiner Predig das Volck in der Stat und auf dem Landt zumal vast wider die Juden erwecket, das man in nicht Fleisch gab, nicht padet und mit Wuecher nicht recht sprach, damit wolt mein Herr den Rath nicht setzen, es käm dann die Sach von der Juden wegen widerum in den alten Standt, wan solches bei in geschehen wär. Derselb Prediger wardt durch meines Herrn Gnaden gestrafft und 2) Chron. dt Städte XV, 296. 98