Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1929-1930
- Issue
- Heft 2 (Juli 1929)
- Article
- Die Judenpolitik Herzog Heinrichs des Reichen von Landshut
- Date
- 1929-07-01
- Page
- Seite 97 (sequence 2)
- Language
- German
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Raphael Straus. Die Judenpolitik Herzog Heinrichs des Reichen von Landshut. Konzils, und für den Krieg mit den husitischen Ketzern war die Haltung der Bayern von entscheidender Bedeutung. Im Gegensatz zur Rheinpfalz, die, weil in ihrer Stadtkultur weiter fortgeschritten, die Juden noch im 14. Jahrhundert vertrieben hatte, gewährten die bayerischen Herzoge — einige von ihnen im Kampf mit den christlichen Stadtbürgerschaften lebend — den Juden ernstlichen Schutz. Am nachhaltigsten tat dies Herzog Heinrich der Reiche von Landshut. Im Jahre 1449 hat er sogar den Predigermönch Heinrich Feuchtwanger wegen seiner Judenhetze des Landes verwiesen. Die Sache rief Aufregung hervor, denn im Zusammenhang mit ihr wurde für das Jahr 1450 kein Stadtrat in Landshut „gesetzt", weil die Stadt gegen die Ausweisung des Predigers protestiert hatte1). Diese herzogliche Verfügung war der Anlaß zu einem Brief, der die erwähnte Spannung zwischen geistlicher und weltlicher Macht in all ihrer zeitgemäßen Schärfe erkennen läßt. Der Schreiber des Briefes war der Dominikaner Heinrich Kalteisen, ehedem Inquisitor der deutschen Kirchenprovinz, Redner gegen die Husiten auf dem Baseler Konzil, später päpstlicher Hoftheolog (magister sacri palatii). Der Brief lautet nach einer im Münchner Hauptstaatsarchiv liegenden gleichzeitigen Abschrift, zweifellos einer Uebersetzung aus dem Lateinischen: Meinen willigen dienst zuvor. bod?geborner fürst und frerr. euer berlickait sol wissen, das für mid) komen ist, das euer gnad fyab ainen Prediger genant Hainrid) Fentbwanger eingewilligt umb das er fyab gepredigt wider die Juden, und dar zu aud) sei geraten von etlichen gelerten. darauf tun id) kunt euer fyerlickait, das diese sad) solt sein komen für unser heiligen vater den Babst, und idt) fran das vergalten umb euer gnad eren, wann id) euer gnad erkannt bab zu Basel, do id) was von meiner berren der kurfürsten wegen und pin nu zefren jar gewesen bei dem stül ze Rom in meinem ampt und b<*b für gebalten als ein getreuer teutsd) für teutscbe zungen alles, das do mod)t unerlid)en lauten, also seit id) wais, das ir ain erlid) Kristenfürst seit geziert mit manger großer tugent, so wil id) eud) warnen vor dem, das eud) nit wol erlautet vor unserm bßlb'gen vater dem Babst, das man von euer berlickait süll sagen, das ir bindert die lerer der warbait, das die Juden sind und er den Cristen. das sol euer gnad also versten, da ein Jud mag gemercket werden zwifaltigklicben: als ain Jud oder als ein offenbarer wüd)erer. als ain Jud, der do nit wücbert, mügen si wonen under den Cristen, als sie in Rom wonend. da sind si gezeicbent. sie kaufen und verkaufen, sie sein ban^ercbs Arbeiter, also sind sie ain Spiegel des Ieidens unsers ^errn Jesu Cbristi, den ir elter gecreuzigt baben. als ainen offenbaren wuoberer ensol kain Jud in der Cristenbait nidjt 1) S. unten. — Den Prediger wegen seines Namens als einen getauften Juden zu betrachten (Heigel bei Hegel, Chron. dt. Städte 15, 296) ist ein seltsamer Gedanke. Von Orten genommene Personennamen waren damals gang und gäbe; auch der Name F. findet sich bei unzweifelhaften Christen nicht selten im Mittelalter. Vgl. Regesta Boica passim. 97