Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1929-1930
- Issue
- Heft 1 (März 1929)
- Article
- Hebräische Quellen zur Frühgeschichte der Juden in Deutschland
- Date
- 1929-03-01
- Page
- Seite 41 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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I. Elbogen. Hebräische Quellen zur Frühgeschichte der Juden in Deutschland. vollen Auswertung der nicht gut veröffentlichte Text und die völlig unzureichende Uebersetzung im Wege43). Aber die Bedeutung dieser Texte als Quellenschriften geht über die unmittelbare Kunde jener traurigen Vorgänge weit hinaus, sie gewähren zahlreiche vorzügliche Einblicke in die Sozialgeschichte der Juden in Deutschland vor dem Kreuzzug. Zunächst einmal werden die beiden größten Gemeinden der damaligen Zeit, Mainz und Köln, die als Vororte für den ganzen Bezirk dienten, in ihrer Eigenart charakterisiert50). Neben Synagogen und anderen den Gemeinden gehörenden Bauten01) werden die Beamten der Synagoge, auch die Beamten der Gemeindeverwaltung in ihren verschiedenen Verzweigungen mit ihren Titeln52) erwähnt, so daß wir hier die ersten Grundlagen für die Kenntnis der Gemeindeorganisation gewinnen. Wie in das Gemeindeleben, erhalten wir Einblick in das Familienleben der Juden; die Beziehungen von Eltern und Kindern, von Braut und Bräutigam, von Brüdern und Schwestern werden bei einzelnen Todesszenen drastisch klargemacht53). Wir lernen ferner die Besitzverhältnisse der einzelnen kennen, es wird von ihren unbeweglichen und beweglichen Gütern gesprochen und der Art, wie sie sie verwenden5*). Auch die Berufe einzelner werden erwähnt und mehr oder minder deutlich geschildert.. Zu beachten ist auch, wie die in der Mainzer Bischofspfalz eingeschlossenen Juden unter Führung ihres Vorstehers entschlossen zu den Warfen greifen und in den Kampf eintreten55); es kann nicht das erste Mal gewesen sein, daß sie die schweren Rüstungen anlegten, mit Pfeilen und Schwertern umgingen, sie müssen unbedingt in den Waffen geübt und mit der Verteidigung bestimmter Teile der Stadt auch sonst beauftragt gewesen sein56). Auch an einer späteren Station der Kreuzfahrer treten ihnen 500 Juden bewaffnet entgegen57). Sehr zahlreich und bedeutungsvoll sind die Beziehungen der Juden zu den Christen. Sie stehen mit den Behörden verschiedensten Ranges in Verbindung. Zum Kaiser, zum Bischof haben sie Zutritt58), sind mit den hohen Herren selbst, vor allem aber mit ihren Beamten vielfach eng vertraut, wenn nicht gar auf freundschaftlichem Fuße59). Daß *9) Vgl. dazu Porges in Revue des Etudes Juives XXV. u. XXVI, Elbogen in Beiträge (ob. Anm. 11) S. 8, Anm. 2. 5°) S. 6 u. 94, S. 17 u. 116, S. 20 u. 121 f. si) Synagoge in Mainz S. 11 ff. u. 105 ff., in Köln S. 18 u. 117, in Trier S. 27 u. 135; andere Gebäude z. B. Friedhof in Mainz S. 14 u. 110. 52) Vorsteher, Armenvorsteher, Rabbiner, Vorbeter, Synagogendiener häufig. Vgl. dazu auch Caro I 170. 5») Vgl. z. B. S. 9 u. 101, S. 41 u. 101 u. o. 5*) Vgl. z. B. S. 27 u. 84 f. für Worms, S. 11 f. u. 105 ff. für Mainz S. 25 f. u. 131 f. für Trier. 55) S. 6 u. 94. 5«) Vgl. 137 Caro I. 178 u. 477 f. ") S. 28 u. 137. 5«) S. 3 u. 86 f., S. 5 u. 93 u. öfter. 59) Vgl. S. 15 f. u. 111 ff., S. 24 u. 128. 41