Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1929-1930
- Issue
- Heft 1 (März 1929)
- Article
- Hebräische Quellen zur Frühgeschichte der Juden in Deutschland
- Date
- 1929-03-01
- Page
- Seite 40 (sequence 7)
- Language
- German
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I. filbogen. Hebräische Quellen zur Frühgeschichte der Juden in Deutschland. traut, offenbar ohne Gewinn daraus zu ziehen, kommt vor37). Außerdem kehrt die häufigerwähnte Nachricht von den für die Kölner Messe gewährten und mit einem kleinen Aufschlag zurückgezahlten Vorschüssen auch hier wieder38). Das Verhältnis zwischen den Juden ist nicht immer friedlich, es kommt vor, daß einer den andern im Streit übel zurichtet, daß sie sich aber später beim Trinken wieder versöhnen39). Die Beziehungen zur christlichen Bevölkerung sind sehr zahlreich und sehr vielseitig. Zunächst führt das Berufsleben sie vielfach zusammen. Juden treffen durch Kauf und Verkauf mit Christen zusammen40), sie beschäftigen christliche Handwerker oder Arbeiter41), sie vermieten Wagen oder Schiffe an christliche Benutzer42). Die Beziehungen sind auch freundschaftlich nachbarliche: man hilft sich gegenseitig mit Nahrungsmitteln für Mensch und Tier aus43). Juden haben christliche Freunde, die ihnen Geschenke bringen, und sie namentlich zu den Feiertagen mit Aufmerksamkeiten erfreuen44). Ebenso sahen wir, daß das Verhältnis zu den Behörden ein durchaus korrektes ist45). Auch Uebertritte von Juden zum Christentum sind bereits vor dem Terror der Kreuzzügler keine Unmöglichkeit; aktuelle Fälle von Ehescheidungen oder Aussetzung der Leviratsehe, wo der in Frage kommende Mann Christ geworden war, werden verhandelt46). Mit einem Wort, es finden sich in diesen alten Werken der Halacha zahlreiche Nachrichten von geschichtlichem Wert, die durchaus geeignet sind, unsere sonstigen Kenntnisse zu ergänzen oder in das rechte Licht zu setzen. Es ist daher ein dringendes Erfordernis der wissenschaftlichen Forschung, daß diese Literatur zugänglich gemacht und daß die in der häufigen Ueberarbeitungalter Quellen liegende chronologische Schwierigkeit durch philologische Analyse der Texte nach Möglichkeit beseitigt werde. Als historische Quelle bekannt sind die hebräischen Berichte über die Verfolgungen des Jahres 109647), sie sind auch für die Darstellung der Vorgänge jenes Jahres, insbesondere der Ausbrüche des Fanatismus gegenüber den Juden häufig benutzt worden48). Freilich steht ihrer 37) § 81, S. 69. Der Fall kommt dadurch zur Sprache, daß der Entleiher es später vom Eigentümer als Entschädigung für eine ihm beigebrachte Verletzung beansprucht. 3S) § Sl, S. 70, vgl. Regesten Nr. 149, Hofffmann, Geldhandel, Nr. 1. 39) vgl. oben Anm. 37. 4°) Vgl. z. B. § 13, S. 7, § 25, S. 16. 41) Vgl. ob. Anm. 35 u. § 43, S. 29, § 48, S. 32. 42) § 47, S. 31. 43) § 44, S. 29. 44) § 42, S. 27, 28. Ein Fall spielt um 1070 in Mainz. 45) ob. S. 46) § 69, S. 65. Fälle aus Speyer und Mainz um 1090. 47) Hebräische Berichte über die Judenverfolgungen während der Kreuzzüge her. von A. Neubauer und M. Stern, übers, von S. Baer, Berlin 1892. 48) Vgl. Aronius Nr. 176 ff., S. 78 ff., Meyer v. Knonau, Jahrbücher des deutschen Reiches, Bd. IV, 48S ff., Caro, I. 206 ff. 40