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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1929-03-01 · Heft 1 (März 1929) · p. Seite 42

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1929-1930
Issue
Heft 1 (März 1929)
Article
Hebräische Quellen zur Frühgeschichte der Juden in Deutschland
Date
1929-03-01
Page
Seite 42 (sequence 9)
Language
German
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I. Elbogen. Hebräische Quellen zur Frühgeschichte der Juden in Deutschland. sie mit den Magistraten der Städte verkehren, ist für ein so wichtiges Element der städtischen Bevölkerung ganz selbstverständlich. Ebenso sind die Beziehungen zur christlichen Bürgerschaft sehr enge und in den meisten Fällen nachbarlich freundschaftliche. Sehr viele Juden besinnen sich nicht einen Augenblick, ihren Besitz in den Häusern christlicher Bürger zu verwahren oder gar persönlich dort Zuflucht zu nehmen. Ebensowenig haben die Christen, sogar Geistliche, Bedenken, ihnen zur Seite zu stehen, ihr Leben und Eigentum zu schützen60). Die besseren Bürger, wie die Berichte oft unterscheidend hervorheben, widersetzen sich jeder Gewalttat und, selbst als sie der Uebermacht weichen müssen, halten sie sich von jeder Grausamkeit fern; sie sorgen mit für die Bestattung der verlassenen Toten61) und haben sicher später nichts dagegen eingewendet, als den zwangsweise Getauften die Rückkehr ins Judentum gestattet wurden62). Auch in der Landbevölkerung haben die Juden ihre Vertrauten und ihre Freunde, froh ist niemand von den Eingesessenen dabei, daß die Kreuzfahrer diese Unruhe ins Land getragen haben. Und die Beziehungen reichen vielfach über den Umkreis des Wohnorts und Wohnbezirks hinaus. Ein vielleicht in Speyer beheimateter, aber in Köln wohnhafter Jude z. B. hat in der Stadt Dortmund unter Amtspersonen und Privaten so vertraute Freunde, daß er sein Vermögen und sein Leben dorthin in Sicherheit zu bringen versucht63). Unter den Märtyrern befinden sich auch Proselyten64), ein Zeichen, daß die Berührung von Christen mit dem Judentum auch zu deren U ebertritt geführt hat. Die Reden der einander befehdenden Parteien sind vielfach wörtlich wiedergegeben, auch die Glaubensanschauungen klar gezeichnet, so daß wir einen vorzüglichen Einblick in das Seelenleben beider Gruppen gewinnen. Die Darstellung der uns erhaltenen Berichte, insbesondere des umfangreichsten, ist so plastisch und lebenswahr, daß wir ihr folgen und nach ihren Strichen das Bild des Lebens der Juden vor dieser Zeit zeichnen können. Die Parallelen in den anderen Berichten helfen uns zur Nachprüfung und Verbesserung der Angaben. Mit den Berichten über die Verfolgungen verwandt sind die synagogalen Dichtungen, die ebenfalls die Ereignisse des Jahres 1096 behandeln. Die ganz unerwartet ausgebrochenen Verfolgungen haben das Klagelied der Synagoge belebt und eine Reihe von Dichtern angeregt, das Martyrium zu beweinen65). Es sind nicht neue Nachrichten, die wir diesen Klageliedern entnehmen können, aber Stimmung und Ausdruck in ihnen sind als historische Quellen wohl verwendbar. Und das gilt von der Dichtung der Synagoge überhaupt. Die Ein- «o) Vgl. S. 3 u. 86, S. 11 u. 104, S. 17 u. 116, S. 22 u. 126. S. 4 u. 91, S. 14 u. 110. 62) Vgl. S. 29 u. 13S, S. 48 u. 171. S. 237 u. 128 f. S. 22 u. 126. 65) Vgl. Zunz, Svnagogale Poesie2, S. 105ff., Elbogen, Der jüdische Gottesdienst, S. 335 ff. * 42

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