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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1929-03-01 · Heft 1 (März 1929) · p. Seite 35

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1929-1930
Issue
Heft 1 (März 1929)
Article
Hebräische Quellen zur Frühgeschichte der Juden in Deutschland
Date
1929-03-01
Page
Seite 35 (sequence 2)
Language
German
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I. Elbogen. Hebräische Quellen zur Frühgeschichte der Juden in Deutschland. zeit ist fast durchweg in mehreren Sammelwerken verarbeitet5), deren Texte einander häufig ergänzen und es möglich machen, die Ereignisse, wenn auch nicht ganz genau, so doch wenigstens im Umkreis einer bestimmten Gemeinde oder Gelehrtenschule zu lokalisieren. Die Ueberlieferungsgeschichte ist zumeist nicht ganz sicher, sie erfordert in jedem Falle besonders sorgfältige Beachtung. In erster Reihe ist auch immer genau zu prüfen, wie weit selbständige Mitteilungen oder Meinungsäußerungen vorliegen und wieweit Zitate aus anderen Schriften in erheblichem Umfange übernommen sind. Ein solches halachisches Werk ist unter dem Namen Ma'aseh ha- Geonim bekannt; es ist erst 1909 aus dem Privatbesitz der Frankfurter Familie Manfred Goldschmidt veröffentlicht6) und von keinem der vorgenannten Autoren benutzt worden. Die Handschrift ist nicht sehr umfangreich (97 Druckseiten) und nicht vollständig erhalten; sie ist aber verhältnismäßig alt, denn sie enthält bereits Glossen aus dem 13. Jahrhundert, sie ist überdies in Deutschland hergestellt und wahrscheinlich nicht weit vom Ursprungsort des Werks entstanden7). Das Sammelwerk behandelt vorzugsweise Fragen aus dem Gebiete des gottesdienstlichen und rituellen Lebens der Juden; seltener kommen Eherecht und andere bürgerliche Rechtsfälle zur Sprache. Eine oder die Hauptquelle dieses Werkes war das Ma'aseh ha Mechiri, seinerseits ebenfalls ein Sammelwerk, in das die in der zweiten Hälfte des 11. Jahrhunderts lebenden vier Söhne des R. Machir aus Mainz die ihnen bekannt gewordenen Responsen und halachischen Entscheidungen aus ihrer Zeit eingetragen hatten8). Einer dieser Brüder, Menachem ben Machir, der in Regensburg wohnte, hat den ersten Kreuzzug überlebt und den Verfolgungen des Jahres 1096 ein Klagelied gewidmet9). Die in der Kompilation der Machiriden enthaltenen und vom Ma'aseh ha Geonim übernommenen Notizen beleuchten also die Zeit vor 1096 und sind für die Erkenntnis der sozialen Lage der Juden vor dem gewaltsamen Ausbruch jenes Jahres von größter Bedeutung. Ihr Wert mag an einigen Beispielen erläutert werden. Die einzige genau datierte Nachricht des Buches berichtet, daß im Sommer 1093 in der Synagoge in Mainz an einem Sabbat gleichzeitig zwei junge Ehemänner erschienen, die beide in der vorangegangenen Woche Hochzeit hatten und beide Aaroniden waren10). Das ist kein sehr häufiger Fall, und man kann daraus auf die Größe der Mainzer Gemeinde 5) Vgl. A. Epstein, Schemaja, der Schüler und Secretär Raschis, Monatsschrift für Gesch. u. Wissensch, des Judentums MGWJ XU, 1397, S. 257 ff. 6) Ma'aseh ha-Geonim (cod. Goldschmidt-Frankfurt a. M.). Mit Einleitung und Anmerkungen von A. Epstein, ergänzt und redigiert von Dr. J. Freimann, Berlin (Verein Mekize Nirdamim), 1909. 7) Vgl. über die Handschrift das., S. VII f. s) Vgl. Epsteins Aufsatz, oben Anm. 5. 9) Vgl. MGWJ, LIII, 1909, S. 593 f., 606 f. 10) § 61, S. 52 Die Jahreszahl 53 in der Quelle bedeutet 4853 1093, wie sich aus der Tatsache ergibt, daß der Tradent seinen Bruder Natan, d. h. Natan b. Machir aus Mainz, nennt. Vgl. MGWJ XLI, 1897, S. 311. 35

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