Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1929-1930
- Issue
- Heft 1 (März 1929)
- Article
- Frühgeschichtliche Spuren der Juden in Deutschland
- Date
- 1929-03-01
- Page
- Seite 32 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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S. Levi. Frühgeschichtliche Spuren der Juden in Deutschland. Herr Professor A. Oxe-Krefeld erwiderte: Gegen die hebräische Deutung der beiden Namen hege ich Bedenken. Der Genetiv Eronis ist eine vulgäre Bildung zum Nominativ Eros statt Erotis; Beispiele dafür bei Dessau inscr. lat. sei. 6683, 7632, 6006 vgl. auch 4065, 4066, 4068 (letztere vier Heroni für Heroi als Dativ von Heros). Der Name Monimus kommt auch sonst vor, z. B. Dessau I. L. S. 2185, 8083; dazu das Femininum Monime 7313, 8187. Gerade Herr Professor A. Oxe hat aber (siehe Anm. 20 der vorl. Arbeit) den Inschriftstein CIL XIII 8593 in der Krefelder „Heimat" (Jahrg. I, 1922) besprochen und hat dabei Ausführungen nach der sprachgeschichtlichen und namensgeschichtiichen Seite hin gemacht, die wegen ihrer allgemeinen Bedeutung und im Zusammenhang mit unserem Thema Beachtung verdienen. Da die Zeitschrift schwer zugänglich ist, führe ich die Hauptsache der Darlegung im Wortlaut hier an: Der lateinische Text. Tib(erius) Iul(ius), C(h)aretis f(ilius), Sdebdas, domo Turo, missicius ex coh(orte) Silauciensiu(m), h(ic) s(itus) e(st). Tib(erius) Jul(ius) Ant(h)us f(aciundum) c(uravit). Et Primigenia lib(erta) eius, anno(rum) (trium), h(ic) s(ita) e(st). Der Text, deutsch. Tiberius Julius, des Chares Sohn, mit Zunamen Sdebdas, gebürtig aus Tyrus, entlassener Soldat aus der Cohorte der Silaukienser, liegt hier. Tiberius Julius Anthus ließ (das Grabmal) setzen. Auch Primigenia, seine Freigelassene, drei Jahre alt, liegt hier. Des Verstorbenen vollständiger Name lautet Tiberius Julius Sdebdas und besteht aus Vor-, Familien- und Beinamen. Außerdem ist noch nach römischer Sitte des Vaters Namen vor dem Beinamen eingeschoben. Der rein römische Bestandteil des ganzen Namens, Tiberius Julius, ist dem Verstorbenen erst während seiner Dienstzeit verliehen worden. Von Haus ein Provinzler und Nichtrömer, durfte er, mit dem römischen Bürgerrechte beschenkt, sich so nach seinem obersten Kriegsherrn und Patron, dem Kaiser Tiberius, nennen. Das ist ein wertvoller Fingerzeig für die ungefähre Zeitbestimmung (14—37 n. Chr.). Auch andere Eigentümlichkeiten der Inschrift sprechen für diese Zeit, wie z. B. die vokalischen Abkürzungen der Wörter Silauciensiu(m) und anno(rum). Der Verstorbene war demnach ein Zeitgenosse Christi. Wäre er vor der Verleihung des Bürgerrechtes ein Sklave oder Unfreier gewesen, so hätte er sich nur Tiberius Julius, Augusti libertus, nennen, d. h. als einen Freigelassenen des Kaisers bezeichnen müssen. Aber von einem freien Vater abstammend, darf er sich mit bewußtem Stolz „des Chares Sohn" nennen. Chares (Xctp'/jq), ein griechischer Name, läßt uns die Heimat des Trägers und seines Sohnes im griechischen Sprachgebiet, im östlichen Teile des Mittelmeers vermuten. Aber so wenig die zwei römischen Adoptivnamen den Sohn zum rechten Römer stempeln, so wenig erweist des Vaters griechischer Name das echte Griechentum des Vaters oder des Sohnes. Vielmehr bekunden drei andere Bezeichnungen des letzteren — sein Beiname, sein Geburtsort und sein Truppenteil — daß es ein Syrer oder Phönizier ist, daß er also nicht nur zeitlich, sondern auch örtlich, sprachlich und völkisch dem Begründer der christlichen Religion recht nahe kommt. Was später nur Beiname war, „Sdebdas", war ursprünglich sein einziger Eigenname und blieb auch später immer noch sein gewöhnlicher Rufname. Jeder Leser stutzt beim ersten Anblick dieses eigentümlichen Namens mit dem eigentümlichen Anlaut Sd. Beide Eigentümlichkeiten erheischen allerdings eine kurze Erklärung. Es ist bekannt, daß im Griechischen 'Ad*/jva£s für 'Aä^vactös, 6-6pa£s für fl-upac^s usw. steht, und daß gerade der Iesbisch-äolische Dialekt z. B. c$updv für £ypdv schreibt und spricht, sd ist also einer der Lautwerte des Z, und Sdebdas steht für Zebdas. Der Verfasser der Inschrift bediente sich nicht