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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1929-03-01 · Heft 1 (März 1929) · p. Seite 27

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1929-1930
Issue
Heft 1 (März 1929)
Article
Frühgeschichtliche Spuren der Juden in Deutschland
Date
1929-03-01
Page
Seite 27 (sequence 5)
Language
German
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S. Levi. Frühfireschichtliche Spuren der Juden in Deutschland. Die drei von uns zu behandelnden Steine dieser Art melden in den Inschriften, daß die Soldaten, welchen diese Steine gesetzt wurden, der ersten Kohorte der Ituräer angehörten. Die Inschriften dieser Steine lauten: I. Monimus, Ierombali f(ilius) rail(es) Monimus, des Jerombal Sohn, Soldat c(o)hor(tis) I Ituraeor(um) ann der ersten Ituräer-Kohorte, der 50 Jahre (orum) L stip(endiorum) XVI h(ic) alt war und 16 Jahre im Dienste stand, s(itus) est. ist hier bestattet. II. Sibbaeus, Eronis f(ilius), tubicen ex Sibbaeus, des Ero Sohn, Bläser aus cohorte I Ituraeorum miles ann der ersten Ituräer-Kohorte, Soldat von (orum) XXIV stipendiorum VIII 24 Lebens- und 8 Dienstjahren, ist h(ic) s(itus) e(st). hier bestattet. III. Caeus, Haneli filius, mhiles (so!) ex Caeus, des Hanelus Sohn, Soldat von coh(orte) I Ituraiorum (so!) annoder ersten Cohorte der Ituräer,» der nun L stipendiorum XIX h(ic) s(itus) 50 Jahre alt geworden ist und davon e(st) lamücus irater f(ecit). 19 im Dienste stand, ist hier bestattet. Sein Bruder Jamlicus Hess (ihm diesen Grabstein) machen. Wenn wir diese Steine mit aller wissenschaftlichen Vorsicht als Material für die Frage über die Frühgeschichte der Juden in Deutschland zu verwenden suchen, so sei zunächst darauf hingewiesen, daß wir unter den römischen Militärformationen entsprechend den sonst üblichen Namen Benennungen wie Cohortes judaeorum oder Alae Judaeorum nicht finden.7) Außerdem muß man sich vor Augen halten, daß höchstwahrscheinlich Juden aus Jerusalem, also aus der schwerzugänglichen Hauptstadt Judaeas, seltener zu finden sein werden als Juden aus den nördlichsten Gebieten des palästinensischen Landes, wo wurde mit Nachdruck der Versuch gemacht, bei den Aushebungen in Vorderasien die Juden gleichmäßig heranzuziehen, wenn man auch auf religiöse Sonderbedingungen der Juden fast durchweg weitgehend Rücksicht nahm. (S. Mommsen, a. a. O., S. 497. Ob im Heere des Varus, als er nach der syrischen Statthalterschaft jenen unglücklichen Feldzug gegen Germanien unternahm, der im Teutoburger Walde sein Ende fand, sich auch Judäer befanden, ist zwar nicht zu erweisen, aber einige Jahrzehnte später in den Kaiserwahlswirren der Jahre 69 u. 70, als Vespasian, der eben belagernd vor Jerusalem lag, um die Sicherung seiner Kaiserwürde in dem berühmten Bataveraufstand am Rheine kämpfen lassen mußte, wurden vorderasiatische Truppen bestimmt in diese Kampfzone geworfen. Daß man den Juden in der Zeit um die Wende der Zeitrechnung den Aufenthalt in den auch peripher gelegenen römischen Kolonien Mitteleuropas nicht versagte, geht auch aus der Tatsache hervor, daß im Jahre 6 der gewöhnlichen Zeitrechnung der Ethnarch von Judäa, Archelaus, von Kaiser Augustus nach Vienna an der Rhone und im Jahre 39 der Tetrarch von Galiläa, Herodes Antipas, vom Kaiser Caligula nach dem noch weiter nördlich liegenden Lugudunum (Lyon) in die Verbannung geschickt wurde. Diese Fürsten werden in den genannten Städten nicht die einzigen Juden gewesen sein, denn sie haben zweifellos mit ihrem Hofstaat oder Gefolge eine Menge solcher mitgebracht. Wenn — um nur ein schlagendes Beispiel herauszugreifen — in der Zeit, in welcher Varus noch Statthalter in Syrien war, einer nach Rom entsandten, aus fünfzig Mitgliedern bestehenden Jüdischen Deputation in Rom eine 8000-köpfige Judenmasse das Geleit zum Tempel des Apollo gab, wo Augustus die Deputation zu sich vorließ, (s. Mommsen, a. a. O., S. 508) so ist damit die zahlenmäßige Stärke jüdischer Siedlung auf europäischem Boden zu jener Zeit bereits genugsam belegt. 7) Siehe Mommsen a.a.O., Seite 511, Anm. 27

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