Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1929-1930
- Issue
- Heft 1 (März 1929)
- Article
- Frühgeschichtliche Spuren der Juden in Deutschland
- Date
- 1929-03-01
- Page
- Seite 28 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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S. Levi. Frühgeschichtliche Spuren der Juden in Deutschland. die Einfälle der Römer und die Strafexpeditionen fast regelmäßig begannen und ihre drückendsten Auswirkungen fanden. Dort lebten auch in Städten oder Landschaften Bewohner, welche im Laufe der Geschichte erst dem jüdischen Staate angegliedert wurden und welche von religiösen Bedenken gegen den Dienst im römischen Heere sich weniger bedrückt fühlten, als die im religiösen Mittelpunkt Jerusalem Lebenden. Die Ituräer8), welche in den griechischen Quellen, 'Itoopatot (Ituraioi) genannt werden, sollen bereits von David bekämpft worden sein. Josephus berichtet,5) daß Aristobull. (104-103 v.Chr.) „seinem Vaterlande viel Gutes erwiesen habe, indem er Ituräa bekriegte, einen großen Teil dieses Landes mit Judaea vereinigte und die Bewohner zwang, falls sie in ihrer Heimat bleiben wollten, die Beschneidung anzunehmen und nach jüdischen Gesetzen zu leben." Die Ituräer werden in I. B. M. 25,15 ihrer Abstammung nach auf Ismael zurückgeführt, werden aber in den späteren Quellen bald als Syrer bald als Araber bezeichnet und müssen in starkem Ausmaße dem Einfluß der aramäischen Kultur unterworfen gewesen sein. Sie waren zur Zeit der römischen Eroberung ein wildes Räubervolk, wurden aber schon von Cäsar im afrikanischen Krieg als Bogenschützen verwendet; „Der Triumvir Marcus Antonius hatte solche als Leibwache, womit er den Senat schreckte, zum großen Entsetzen Ciceros"10). Ihr Wohnsitz mag im Laufe der Jahrhunderte gewechselt haben, er ist aber für die hier in Frage stehende Zeit nur im Libanongebiete nachweisbar, mag sich also in weitem nach Norden ausholendem Bogen zwischen Damaskus und Cäsarea Philippi befunden haben. Aus dem Cäsarea- Gebiete am Nordrande Galiläas und aus dem Sebaste (Samaria)-Gebiete stammten auch zumeist die dreitausend Mann, welche, nachdem Judäa im Jahre 6 n. Ch. römische Provinz zweiten Ranges geworden war, die verhältnismäßig kleine Besatzung dieser Provinz bildeten.1^) Haben wir so die geschichtliche und örtliche Verbindung zwischen den Ituräern und den Herren bezw. dem Volke der Judaeer aufgezeigt, so mag die Betrachtung der auf den Steinen verzeichneten Namen diese Verbindung noch festigen. Die Namensbezeichnung der hier angeführten Steine zeigt durchweg die Eigenart, daß sie nur zwei Namen aufweist, nämlich Rufnamen und Vatersnamen. Die Namensträger sind also zweifellos keine römischen Bürger, weil diese ja mit drei Namen bezeichnet wurden, dem praenomen, dem nomen- 8) S. Ueber ihre Namen, ihre Abstammung und ihre Geschichte, sowie über die bezügliche Literatur Schürer, D. Emil, Geschichte des jüdischen Volkes im Zeitalter Jesu Christi, dritte und vierte Auf läge, I. Bd. Leipzig 1901, Seite 707 ff. 9) S. Flavius Josephus, Antt. XII., 11, 3. 10) S. Schürer, a. a. O. Seite 709, der sich auf Cicero, Philipp. II und XIII. stützt. u) S. Flavius Josephus Antt. XX., 8. 7. In den dort geschilderten Streitigkeiten zwischen den Juden in Cäsarea und den dort wonnenden Syrern wird zwar gesagt, daß die Syrer sich auf den Umstand verließen, daß die in der Nähe stehende römische Heeresabteilung zum größten Teil aus Bürgern von Caesarea und Sebaste bestand, sodaß man zu der Annahme versucht ist, diese 28