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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1929-03-01 · Heft 1 (März 1929) · p. Seite 26

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1929-1930
Issue
Heft 1 (März 1929)
Article
Frühgeschichtliche Spuren der Juden in Deutschland
Date
1929-03-01
Page
Seite 26 (sequence 4)
Language
German
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IRI
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S. Levi. Frühgeschichtliche Spuren der Juden in Deutschland. Dieser von Graetz ausgesprochene Zweifel wird nicht belegt, und die folgenden Ausführungen maßen sich nicht etwa an, den Zweifel abzutun, sie wollen nur den frühesten Spuren der in Rede stehenden Judensiedlungen nachgehen, soweit sie sich in der mittelrheinischen Gegend um Mainz finden. Gegenstand dieser Untersuchung sind einige Grabsteine römischer Soldaten. Diese Grabsteine sind heute noch vorhanden und werden hier, um die fachwissenschaftliche Nachprüfung zu erleichtern, in Bild wiedergäbe gebracht.*) Die Steine stammen höchstwahrscheinlich aus einer Zeitspanne von hundert Jahren und zwar aus der julisch-claudischen Zeit, also aus der Zeit kurz vor Beginn der christlichen Zeitrechnung bis etwa zum Jahre 70 des ersten nachchristlichen Jahrhunderts: Das ist eine Zeit, die noch vor Zerstörung des jerusalemitischen Tempels durch Titus liegt. Die Steine sind im Gebiet der alten römischen Militärzentrale Mogontiacum (Mainz) gefunden worden. Zeitlich fällt das Vordringen der Römer in dieses rheinische Gebiet fast zusammen mit der Einmischung römischer Führer in judaeische Staatsangelegenheiten auf palästinensischen Boden5) Vom Jahre 63 vor der üblichen Zeitrechnung an, wo Pompeius in Jerusalem über die feindlichen Brüder Hyrkan II. und Aristobul II. Gericht hielt, lag die Hand der römischen Statthalter in Syrien mehr oder minder drückend auf Palästina: Steuern wurden eingezogen und militärische Aushebungen wurden veranstaltet. In den Kämpfen, die Cäsar im vorderen Orient führte, standen jüdische Formationen geschlossen in seinem Heere. Mit dem Schwinden der judaeischen Selbständigkeit und mit der Umgestaltung Judaeas zu einer römischen Provinz wuchs die Zahl der Juden besonders aus den nordpalästinensischen Gebieten, welche in das römische Heer als Hilfstruppen eingereiht und dann nach Bedarf zweifellos in die verschiedensten römischen Kolonialgebiete zur militärischen Verwendung versandt wurden.6) Ueber die bunte Zusammensetzung dieser Hilfstruppenformationen können wir ein Bild aus den zahlreichen im Mainzer Altertumsmuseum gesammelten Grabdenkmälern und ihren Inschriften gewinnen. *) Um uns mit Rücksicht auf den engen Raum, der in dieser Zeitschrift zur Verfügung steht, überflüssige Ausführungen zu ersparen, sei hierbei nachdrücklich auf die „Mainzer Zeitschrift, Zeitschrift des römisch-germanischen Zentralmuseums und des Vereins zur Erforschung der rheinischen Geschichte und Altertümer", Jahrgang XI, 1916, verwiesen, wo K. Körber eine Beschreibung und Erläuterung der in Betracht gezogenen Steine auf den Seiten 8l!—83 gegeben hat. Das Bildmaterial und die Erlaubnis zu seiner Verwendung in der vorliegenden Arbeit verdanke ich dem Direktor des Altertumsmuseums der Stadt Mainz, Herrn Professor Dr. Neeb. 5) Ueber die Anfänge der Beziehungen zwischen Rom und Judäa siehe: Vogelstein, H. und Rieger, P., Geschichte der Juden in Rom I, S. 1 ff. (Berlin 1896). 6) Wenn zur Zeit Casars die Juden ausdrücklich von militärischer Besatzung und Aushebung befreit wurden (s. Mommsen, Th., Römische Geschichte, 5. Bd. VIII. Aufl., Seite 501), so scheint diese aus Dankbarkeit gewährte Vergünstigung den Schluß zuzulassen, daß sie eine außergewöhnliche Vergünstigung darstellt. Möglicherweise waren schon vor dieser Vergünstigung Casars Juden zum römischen Heere ausgehoben, jedenfalls waren aber in dieser Zeit bereits durch Antipater und dann Herodes jüdische Hilfstruppen für die eine oder andere Partei des römischen Heereskontingentes gestellt worden. In der Zeit des Augustus 26

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