Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1929-1930
- Issue
- Heft 1 (März 1929)
- Article
- Die Geschichte der deutschen Juden in der historischen Forschung der letzten 35 Jahre
- Date
- 1929-03-01
- Page
- Seite 22 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Adolf Kober. Die Geschichte der Juden in der historischen Forschung der letzten 35 Jahre. über Joseph Süß Oppenheimer erscheinen. In diesem Zusammenhang ist auch die aufschlußreiche Arbeit Freudenthal's über „die jüdischen Besucher der Leipziger Messen i. d. J. 1675 bis 1764" (1928) zu nennen. Nicht geringer ist die Ausbeute für das innere Leben der deutschen Juden in den letzten 31/2 Jahrzehnten. Die Familiengeschichte ist eingehend gepflegt worden. Allgemeinere Bedeutung auf dem Gebiete der Famiiiengeschichte kommen nur den Arbeiten von Brann, Freudenthal, Gronemann, Kaufmann zu. Ich nenne als vorbildlich David Kaufmann : „B. Jair Chajim Bacharach und seine Ahnen" 1638 bis 1702, (1894), „Aus Heinrich H eine's Ahnensaal" (1896) und die von ihm herausgegebenen „Memoiren der Glückel von Hameln" 1645 bis 1719 (1896).1*) M. Freudenthal „Aus der Heimat Moses Mendelsohn" (1900), Kaufmann-Freudenthal „Die Familie Gomperz" (Zur Geschichte jüdischer Familien III. 1907). Diese Werke erzählen nicht nur Familiengeschichten, sondern erhellen weite Partien deutsch-jüdischer Kulturgeschichte. Auch aus Werken wie S. Mayer, „Die Wiener Juden" (2. Aufl. 1918) und Corti, „Der Aufstieg des Hauses Rothschild" (1927) kann dieselbe manches Interessantes schöpfen. Seit 1924 erscheint eine Vierteljahrsschrift für jüd. Familienforschung in Berlin15). Die Namenskunde der deutschen Juden ist eifrig durchforscht worden. Sowohl die jüdischen Namen des Mittelalters (für einzelne Städte) als auch die durch die Judengesetzgebung des 19. Jahrhunderts herbeigeführte Namensgebung ist untersucht worden (z. B. Dreifuß, „Die Familiennamen der Juden unter besonderer Berücksichtigung der Verhältnisse in Baden zu Anfang des 19. Jahrhunderts", 1927). Die Geistes- und Religionsgeschichte hat liebevolle Pflege gefunden, sowohl die Frühgeschichte wie das spätere Mittelalter und die Neuzeit. Hierbei haben sich A. Epstein und Simon Eppenstein (in der MS.63) manches Verdienst erworben. Meir ben Baruch aus Rothenburg haben in Back (1895) und Wellesz (1909—1911), Isaak Or Sarua in Wellesz, Ascher ben Iechiel in Alfred Fr ei mann (1918) ihre Biographen gefunden. Die Minnelieder des Süßkind von Trimberg sind in Faksimilewiedergabe aus der Manessischen Handschrift nebst hochdeutscher Uebertragung von B. Badt-Strauß erschienen. Die jüdisch - deutschen Bibelübersetzungen von den Anfängen bis zum Ausgang des 18. Jahrhunderts sind von W. Staerk und A. Leitzmann (1923) nach Handschriften und alten Drucken beschrieben und dargestellt worden. Verschiedene jüdische Buchdruckereien erfreuten sich eingehender Würdigung. Führende Geister des 19. und 20. Jahrhunderts wie H. Cohen, A. Geiger, Graetz, I. N. Mannheimer, L. Philippson, Rießer, M. Sachs, L. Zunz haben ihre Biographien erhalten. Die Geschichte der Reformbewegung ist von C. Seligmann, die Geschichte der Tempelgemeinde von Leim- 14) s. a. Ginsburger, Die Memoiren des Ascher Levy aus Reichshofen 1598. 1635 (1913). 15) s. a. das seit 1927 in Wien erscheinende „Jüd. Archiv". 22