Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1929-1930
- Issue
- Heft 1 (März 1929)
- Article
- Die Geschichte der deutschen Juden in der historischen Forschung der letzten 35 Jahre
- Date
- 1929-03-01
- Page
- Seite 23 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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Adolf Kober. Die Geschichte der Juden in der historischen Forschung der letzten 35 Jahre. dörfer (1918) beschrieben worden. Die theologischen Hochschulen bzw. Lehranstalten für die Wissenschaft des Judentums, die Lehrerseminare, die jüdischen Schulen, die Vereine (Chewrot), haben bei Gelegenheit von Jubiläen ihre Geschichte veröffentlicht. Die Statistik für die letzten Jahrzehnte ist durch die seit 1905 erfolgten Veröffentlichungen des Büros für Statistik der Juden in Deutschland gepflegt worden. Auf die Bedeutung der jüdischen Altertümer und des jüdischen Kunstgewerbes, wie es sich in den erhaltenen Synagogenbauten, Ritualbädern, Ritualgegenständen, Handschriften und Büchern zeigt, hat zuerst David Kaufmann hingewiesen. Insbesondere haben die Mitteilungen der Gesellschaft zur Erforschung jüdischer Kunstdenkmäler in Frankfurt unsere Kenntnisse auf diesem Gebiete weiter gefördert. Richard Krautheimer hat die bisherigen Ergebnisse, soweit sie den Synagogenbau betreflen, kürzlich in seinem Werke: „Mittelalterliche Synagogen" (1927) zusammengefaßt, A. Grotte den kunsthistorischen Wert alter schlesischer Judenfriedhöfe gewürdigt (1927). Damit kommen wir zu der Bedeutung, die die Paläographie der Inschriften, die Epigraphik, für die Geschichte der Juden in Deutschland gewonnen hat. Brann und Kaufmann sind auch hierin führend geworden. Zahlreiche Grabinschriften sind durch Umgrabungen und Umbauten in den deutschen Städten an das Tageslicht gefördert worden. Groß ist die Zahl der Veröffentlichungen. Klassische Bedeutung kommt hierbei den Arbeiten Wachsteins über Eisenstadt und Wien zu, insbesondere dem schon erwähnten Werke: „Die Inschriften des alten Judenfriedhofes in Wien 1543—1783", 2 Bände (1912 und 1917). An ihnen wird jeder, der auf dem Gebiete der hebräischen Epigraphik arbeitet, sich ein Beispiel zu nehmen haben. Zum Schluß sei noch auf die Ausstellungen in Köln und Düsseldorf in den Jahren 1908, 1925, 1926 und 1928, insbesondere auf die Jahrtausendaussteilung der Rheinlande von 1925 in Köln hingewiesen, die erwiesenermaßen den Sinn für Heimatsgeschichte gefördert und in manchen Städten mitunter zur Eröffnung eines heimatlichen jüdischen Museums geführt hat. Wir ziehen das Ergebnis: Nicht alles verdient den Namen Geschichtsschreibung, was so benannt wird. Wenn wir die Geschichte der Juden in Deutschland fördern wollen, werden wir kritisch und methodisch vorzugehen haben. Unser Ueberblick, der keine Bibliographie geben wollte, also auf Vollkommenheit keinen Anspruch erhebt, hat jedenfalls gezeigt, daß viel Schönes und Vorbildliches auf dem Gebiete der Geschichte der Juden in Deutschland in den letzten 31/2 Jahrzehnten geleistet worden ist. Aber ebenso klar ergibt sich, wieviel noch zu leisten ist und wie sehr der Dilettantismus hier geherrscht hat und noch herrscht. Möge die neue Zeitschrift der Mittelpunkt aller Forschung auf diesem Gebiete werden! Möge sie durch Kritik befruchtend wirken! Möge sie Quellengeschichtliche Publikationen neu anregen! Möge sie die Wegbereiterin werden für eine Geschichte der Juden in Deutschland! 23