Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1929-1930
- Issue
- Heft 1 (März 1929)
- Article
- Die Geschichte der deutschen Juden in der historischen Forschung der letzten 35 Jahre
- Date
- 1929-03-01
- Page
- Seite 18 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Adolf Kober. Die Geschichte der Juden in der historischen Forschung der letzten 35 Jahre. gemeinden von ihren Anfängen bis zur Mitte des 14. Jahrhunderts'*'11) gezeitigt. Auf Grund der Gutachten des R. Meir Rothenburg hat J. Zimmels „Beiträge zur Geschichte der deutschen Juden im 13. Jahrhundert" geliefert (1928). Die Stellung des Hohenstaufenkaisers Friedrich II. zu den Juden wird durch W.Cohn (in MSWJ. 62), vor allem durch die lebendige Darstellung bei E. Kantorowicz, Kaiser Friedrich II. (1927) in ein helleres Licht gerückt. Danach erstreckte sich das Verständnis des Kaisers für Fremdgläubige, das er ganz gewiß bei seiner geistigen Weite mit nur wenigen Zeitgenossen teilte, dennoch nur genau soweit, wie sie dem Staate dienlich war und dessen Sakralien nicht berührte. Die schon genannte Arbeit Süßmanns über „Die Judenschuldentilgungen unter König Wenzel" (1907) hat nicht nur Wert für die Judenpolitik des erwähnten Königs, sondern auch für die Geschichte der Finanzpolitik einer großen Gruppe deutscher Städte. Daß die Juden unter Ruprecht von der Pfalz die glücklichsten Tage während des ganzen Mittelalters verlebt haben, wird endgültig durch das Quellenwerk von M. Stern „König Ruprecht v. d. Pfalz in seinen Beziehungen zu den Juden" (1901) widerlegt. Der Grundbesitz der deutschen Juden und die Judengassen im Mittelalter werden zusammenhängend von Kober im „Grundbuch des Kölner Judenviertels 1135—1425" (Publ. d. Ges. f. Rhein. Geschichtskunde, 1920) behandelt. Die deutschen Einwanderungen in die polnischen Ghetti seit dem 12. Jahrhundert sind durch L. Lewin eingehend erörtert worden. Die Geschichte der Juden im Zeitalter der Reformation hat durch die Arbeiten über Joselmann von Rosheim, z. B. das Werk von L. Feilchenfeld (1898), dann weiter durch R. Lewin, Luthers Stellung zu den Juden (1911) Bereicherung und Vertiefung erfahren. Daß die Judenpolitik des fürstlichen Absolutismus im 17. und 18. Jahrhundert eine weitere Ursache für die Gewährung der politischen Rechte an die Juden bedeutet, hat F. Priebatsch (in der Festschrift für Dietrich Schäfer 1915) eingehend dargetan. Der Toleranzgedanke in der deutschen Literatur z. Zt. M. Mendelssohn's" ist in zwei preisgekrönten Arbeiten (von "J- Horowitz, A. Wolff 1914—15) trefflich untersucht worden. Das Zeitalter der Emanzipation hat sich besonderen Interesses zu erfreuen gehabt. „Die Judenfrage auf dem Wiener Kongreß" wurde von S. Baron (1920) behandelt. Außer für einzelne Territorien (z. B. für Kurmainz von Salfeld in der Cohen- Festschrift 1912, für Bayern durch Eckstein 1905, für Nassau durch Kober, 1916, für das Großherzogtum Hessen durch S. Rotschild, 1924) wurde diese Emanzipations-und neueste Geschichte des jüd. Volkes in Deutschland in den zwei ersten Bänden der Neuesten Geschichte des jüdischen Volkes von Martin Philippson (1907, 1910), der von Dubnow zu unrecht gescholten wird, mehr nach der politischen Seite hin und in dem gleichlautenden Werk von Dubnow (I, II, II 1920) mehr mit Rücksicht auf die innere Entwicklung hin dari1) s. M. S. 53, 54 (1909, 1910). 18