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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1929-03-01 · Heft 1 (März 1929) · p. Seite 17

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1929-1930
Issue
Heft 1 (März 1929)
Article
Die Geschichte der deutschen Juden in der historischen Forschung der letzten 35 Jahre
Date
1929-03-01
Page
Seite 17 (sequence 5)
Language
German
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Adolf Kober. Die Geschichte der Juden in der historischen Forschung der letzten 35 Jahre. sich zur Aufgabe setzte, ein alphabetisches Verzeichnis aller Ortschaften des deutschen Reiches, an denen von den ältesten Zeiten bis zu den Wiener Verträgen jüdische Ansiedlungen bestanden haben, anzulegen und deren Geschichte auf Grund derQHiellen wissenschaftlich darstellen zu lassen. Sie ist leider bisher nur bis zum Buchstaben „L" und bis z. J. 1238 gediehen. An einer selbständigen, zusammenfassenden Darstellung der Geschichte der Juden in Deutschland fehlt es bisher. Denn man wird das Werk von K o h u t, das auf Grund des bekannten und unbekannten, sowie des in den Bibliotheken und Archiven befindlichen Materials eine Geschichte der deutschen Juden, nicht für den Fachmann allein, sondern als Familien-, Haus- und Volksbuch zu schreiben unternahm, gleichzeitig auch als Beitrag der Völkerpsychologie (1898), nicht ernsthaft als ein solches ansehen können. Ebensowenig kann das Werk von G. Liebe „Das Judentum in der deutschen Vergangenheit" (2. Aufl., Jena 1924), den Anspruch erheben, als solches zu gelten, zumal „die Sicherheit des Urteils" darin durch einseitige Quellenbenutzung und tendenziös wirkende Bilderbeilagen getrübt ist. In größerem Zusammenhange streift Elbogen „Geschichte der Juden seit dem Untergang des jüdischen Staates" („Aus Natur und Geisteswelt", 1919) ihre Schicksale in Deutschland. Simon D u b n o w hat in den bisher erschienenen 8 Bänden der „Weltgeschichte des jüdischen Volkes" eine große Anzahl von Kapiteln der Geschichte der deutschen Juden gewidmet. Es ist hier nicht der Ort, um mit der geschichtsphilosophischen Auffassung des Verfassers — sie steht der kollektivistischen Richtung am nächsten — zu rechten. Aber Dubnow hat dabei die drohenden Klippen nicht vermieden, sodaß er nicht mitunter dem Stoff zugunsten seiner vorgefaßten Meinung Gewalt angetan hätte. Gilt doch noch heute von dem Geschichtsforscher, „daß er das nächste und dringendste Interesse daran hat, daß der konkrete Stoff nicht zugunsten systematischer Prinzipien vergewaltigt werde."10) Gewiß, er hat seine Geschichte auf eine breitere Basis als seine Vorgänger gestellt. Die Abschnitte über die Geschichte der deutschen Juden zeigen dieselben Vorzüge, die Dubnows Werke im allgemeinen auszeichnen, vor allem die geschickte stoffliche Gliederung. Aber es scheint doch dem Verfasser die Zeit zum eingehenden Quellenstudium auf unserem Gebiete, ja selbst gelegentlich die Zeit zur Verwendung aller Spezialliteratur gefehlt zu haben. Somit können seine Ausführungen über die Geschichte der Juden in Deutschland nicht als wesentlicher Fortschritt für unsere Forschung bezeichnet werden. Teilgebiete der allgemeinen Geschichte der Juden in Deutschland sind vielfach bearbeitet worden. Die Auffindung und Veröffentlichung des Verzeichnisses der Reichssteuern v. J. 1241 (s. N. A. f. ältere deutsche Geschichtskunde Bd. 23,1898, S. 519ff) hat zur eingehenden Behandlung der Hoheitsrechte der deutschen Könige über die Juden geführt und die Studie von I. Rösel, „die Reichssteuern der deutschen Juden- 10) Bernheim, Lehrbuch der historischen Methode . . . (1908), S. 734. 17

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