Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1888
- Issue
- Heft 3
- Article
- Die Juden und die deutsche Literatur
- Date
- 1888-01-01
- Page
- Seite 371 (sequence 75)
- Language
- German
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Ludwig Geiger, Die Juden und die deutsche Literatur. 371 Judenthum nicht zuneigten und von den herrschenden Parteien als Judenzer gebrandmarkt wurden." Jener Ausdruck soll vielmehr, nicht blos bei der herrschenden Partei — denn er wird von Katholiken und Protestanten unterschiedslos gebraucht — einfach eine Abweichung von der üblichen Glaubensnorm bedeuten; gegen die Andersmeinenden wählt man in jenem Zeitalter starker Gesinnung und stärkerer Worte gleich den schärfsten Ausdruck, um jede Gemeinschaft mit dem also Denkenden abzulehnen. Einzelne Stellen über diese Vorwürfe des Judaisirens mögen hier zusammengestellt werden; von Vollständigkeit kann dabei natürlich keine Rede sein. Die älteste Andeutung dieser Art ist vielleicht die Prophezeiung: „Dann die Brandenburgisch Erde wird Judenart an sich nehmen wider Christen und Juden; sie werden Gold vor Gott ehren, so Saturnus in das Haus Martis wird gehen im I. 1502"; aus: Joh. Lichtenbergers Prognostiken (zuerst 1484?) Cap. 6, 1. Theil, bei Friedrich: Astrologie und Reformation S. 53. Gehört in diesen Zusammenhang die u. A. auch von Kahserling a. a. O. angeführte Schrift: „Von Michel Juden Tod", die oben S. 341 A. 1 citirt wird? Jedenfalls gehört hierher ein seltsames mir nicht recht verständliches Gedicht des witzigen, z. B. von Lessing nachgeahmten humanistischen Satirikers Euricius Cordus, das folgendermaßen lautet: De Odristiauoruui ^uäaismo. k'lere vaalos mores et vostri xerüäa seeli l'emxora et iuLauäum terriüeumHue seelus. Huam veterum inteKrita.8 äoeuit pietaLHue xarentuiv. <suäaiea iuLeeta est relliKwue Lües. Ineixiunt uostri xueros xraeeiäere uuxtae, Laorayue xutentes sustiuet ara eaxros Our yuae saeva douis eoufeetim üawiua uiiuaris luvisos suxeris von populäre viros? ^) Schon die Dialoge am Anfange der Reformationszeit lieben es, die christlichen Gegner geradezu als Juden zu bezeichnen. Ein Katholik nennt die Geistlichen verblendet „als die Juden zu der zeht Christi, ir end wird den Juden gleich werden" und ein Protestant läßt einen Mönch einem Handwerker, der ihn bemerkt, es sei kein Verbrechen Fleisch in der Fastenzeit zu essen, entgegnen: „schement euch ir Juden" ^). Noch weiter geht Andreas Althamer, Pfarrer zu Nürnberg 1526, der seine Widersacher innerhalb der eignen Glaubensgenossen als „neue Juden" bezeichnet *). Am!) LnrieiL Ooräi LxiZranno.!id. Il 0pp. xoet. Helmst. 1614 p. 214. 2) Ein gesprech bruder Hein I richs von Kettnbach mit aim j frommen altmutterlein von j Ulm von etlichen zufeln und I aufechtung des altmut s terlein auff welche j antwort gegeben j vonn bruder j Heinrich. Im Jar KI. v. XX Iii. 8 Bl. in 4°. L. Id. 3) Ain Schoner Dialogus oder Gesprech, von aynem Münch vnd Becken, wölcher die Osterayer Gamlen wollt. Hanns Stayamayer, Beck zu Reytlinaen. 7 Bl. in 4o. 2 b. 1524. 4) Daß unser Jesus Christus wahrer Gott sei, Zeugniß der h. Schrift wider die neuen Juden und Arianer unter christlichem Namen, welche die Gottheit Christi