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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1888-01-01 · Heft 3 · p. Seite 370

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1888
Issue
Heft 3
Article
Die Juden und die deutsche Literatur
Date
1888-01-01
Page
Seite 370 (sequence 74)
Language
German
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370 Ludwig Geiger, Die Juden und die deutsche Literatur. so: „Von einem klugen Joden, der was zu Nuß. Item man sagite auch, wie die von Nuß hetten bie on gar einen clugen Joden, der were also uff sine jodischeit also wol gelart, das er konde zukünftige ding gesagen. Der selbie hette practicert, beHilden sie die stad vor Martini, so sotten sie vor wor wisse, daß er der nicht dor noch gewönne, vnd der von Burgundien worde vor der stad mit alle sinem Volke erslagen; und doruff hette sich der Jode gefangen gegeben." Excurs 2 zu S. 328. Luther sagt an verschiedenen Stellen des Buches „Wider die Juden und ihre Lügen", daß er durch eine den Juden günstige Schrift zur Erwiderung gereizt worden sei. Am Anfange sagt er: „Ich habe eine Schrift empfangen, darinne ein Jude mit einem Christen Gespräche hält, der sich unterstehet, die Sprüche der Schrift (so wir führen für unfern Glauben, von unserm HErrn Christo und Maria, seiner Mutter) er verkehren und weit anders zu deuten; damit er mehnet unsers Glaubens Grund umzustoßen." Und ganz am Schluß: „So viel Schreibens, lieber Herr und guter Freund, habt ihr mir ausgezwungen mit eurem Büchlein da ein Jude seine Kunst wider einen abwesenden (sie!) Christen im Gespräch beweiset . . . Aber auch in Luthers „Vom Schemhamphoras und Geschlecht Christi" heißt es: Nachdem der Jude, so mich bewegt hat, nähestmal von den Jüden zu schreiben, auch diß Stück anstach: es könne nicht bewiesen werden, daß Jesus vom Stamm Inda wäre, weil der Evangelist Matthäus den Stamm Juda auf Joseph und nicht auf Mariam führte." Der oben S. 343 skizzirte und durch einige Proben charakterisirte Dialog aus dem Jahre 1523 kann mit Luthers Worten nicht gemeint sein. Der Inhalt desselben stimmt mit den Ausführungen nicht überein, welche Luther in solchen Zorn brachten; überdies ist es bei Luthers eifervoller Natur undenkbar, daß er 20 Jahre gewartet haben sollte, um seiner Entrüstung Lust zu machen. Es ist nicht unmöglich, daß die Schrift, welche Luther andeutet, dieselbe ist, welche von Eck als Eigenthum Oslanders bezeichnet wird, nur daß Eck freilich nichts von der Dialogform sagt. Excurs 3 zu S. 330. Der Ausdruck „judenzen, Mäaizare" wird von Sachen und Personen gebraucht. Die von Heyne (bei Grimm, Deutsches Wörterbuch IV, II, SP. 2358) gesammelten Stellen des 16. Jahrh. (Luther u. A.) beziehen sich zumeist auf Sachen, bliblische Bücher u. dgl. und bedeuten: „jüdische Art an sich tragen in Denken und Anschauungen"; in einer dem 17. Jahrhundert ungehörigen Stelle findet sich die Bedeutung: „Wucher treiben wie die Juden". Es ist daher eine ganz unbewiesene, innerlich übrigens auch völlig haltlose Behauptung von Grätz (Geschichte IX, 326): „Unter dem Gewimmel religiöser Sekten, welche die Reformation in den ersten Jahrzehnten zu Tage gefördert hat, entstanden auch einige, welche sich dem

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