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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1888-01-01 · Heft 3 · p. Seite 369

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1888
Issue
Heft 3
Article
Die Juden und die deutsche Literatur
Date
1888-01-01
Page
Seite 369 (sequence 73)
Language
German
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Ludwig Geiger, Die Juden und die deutsche Literatur. 369 Excurö 1 zu S 321. Es ist sehr lehrreich zu sehen, wie sich in der Stellung der Schriftsteller und der Nation zu den Juden das 15. und 16. Jahrhundert unterscheiden. Haß genug existirte im erstern Jahrhunderte auch; an Ausbrüchen des Hasses fehlte es auch keineswegs, trotzdem ist die allgemeine Stimmung eine mildere. Die beiden folgenden Zeugnisse entnehme ich Janssens bereits angeführtem Werke ^), dessen Tendenz, die vorreformatorischen Zeiten recht lichtvoll darzustellen, um die nachresormatorischen desto dunkler erscheinen zu lassen, ich zwar nicht billige, dessen Dokumente ich aber keineswegs verwerfe. Das eine ist ein von Janssen mitgetheiltes Bruchstück aus einem handschristlich erhaltenen Aufsatz des Trithemius, in welchem allerdings Borschläge gemacht werden, den Juden den Wucher zu verbieten und die „Herrschast eines fremden eingedrungenen Volkes" über die Christen zu verhindern, daneben aber, auf Grund eines früher erlassenen päpstlichen Bredes, Mahnungen ausgesprochen wurden, die im 16. Jahrhundert kaum noch ein Echo fanden: „Fern sei eine Verfolgung der Unschuldigen mit den Schuldigen, ein Jagen und Hetzen oder eine Einkerkerung aller derer, die nur den Namen eines Juden tragen. Auch die gewaltsame Einziehung ihres Vermögens, die oft aus bloßer Geldgier von Fürsten und Herren erfolgt, ist wider Recht vnd Pflicht. Die Juden begehen Verbrechen, es ist wahr; sie schänden das heilige Sakrament; man sagt ihnen sogar nach, daß sie oft Christenkinder t'ödten und ihr Blut trinken. Aber ist denn auch alles begründet, was man ihnen nachsagt? Ist es billig, daß man, wenn Verbrechen Einzelner erwiesen sind, den ganzen Stamm darunter leiden läßt?" Das andere von Janssen angeführte Zeugniß ist ein gegen Fürsten, Juden und Juristen gerichtetes Flugblatt aus dem Jahre 1493. Gegen die Juden gerichtet und doch in diesem Zusammenhang anzuführen, weil es eine besondere Vorliebe der Fürsten für die Juden konstatirt. Es spricht von den Fürsten, die sich mit den „snöden juden" nähren wollen und mahnt dieselben: „und Hab die juden nit zu lieb, setz van in die getrawen, sie sind diner seelen diep, die smeher unser srawen." Ein drittes Zeugniß, das ich selbständig gefunden habe, mag in diesem Zusammenhange einen Platz finden, nicht blos weil es bisher ganz unbeachtet geblieben ist, sondern weil es durch die ganze Art des Tones von den Zeugnissen des 16. Jahrhundert wohlthuend absticht. Es findet sich z. I. 1473 in Konrad Stolles: Thüringisch-erfurtische Chronik hgg. von L- F. Hesse (Bibl. d. lit. Vereins in Stuttgart XXXII x. 83) und lautet l) Geschichte des deutschen Volkes I, 381. 217. Ich citire nach der ersten Aufl. Freiburg i. Br. 1878; die Seitenzahlen haben sich wohl aber in den zahlreichen Auflagen, die seitdem gefolgt find, nicht wesentlich geändert.

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