Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1888
- Issue
- Heft 3
- Article
- Die Juden und die deutsche Literatur
- Date
- 1888-01-01
- Page
- Seite 365 (sequence 69)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 89% known words query
- IRI
…/2259275-2259334-2259338-2259479--0852-2259651- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Ludwig Geiger, Die Juden und die deutsche Literatur.^ 365 vorige. Der Sultan, der gehört, daß die Christen übereingekommen, ihm den Tribut zu verweigern, beschwert die Türken und schickt, da er dadurch deren Unwillen erregt, zu den Juden an dem Gebirge Caspi, mit dem Befehle ihre Schätzung zu erlegen, der Türke wolle sein „grimmig Hertz erkülen an der Christen unschuldig Blut." Die Juden aber erschlagen die Gesandten und beschließen fröhlichen Muths, sich des gelobten Landes zu bemächtigen Die einzelnen Geschlechter mit ihren Führern und Fahnen, deren Inschriften werden aufgezählt. Auch hier fehlt es nicht — und zwar bei dem Geschlecht Asar — an einer Jungfrau, welche die Scharen führt. Aber von dem eigentlichen Kriegszug und dem Erfolge desselben, von dem im Titel die Rede war, wird nicht gesprochen; der Autor verliert sich zum Schluß in seltsame Deklamationen, von denen wenigstens hier eine Probe gegeben werden soll: Ist das nicht ein groß wunder, o frommer Christ vermerck, daß die Juden jetzunder gericht haben ins Werck, umb Constantinopel hrumb der Juden ein merklich summ, sich täglich zu in schlagend, wollen das Globtland han kurtzumb. Ein Überfluß mit inen Habens bracht in das Land damit in nichts zerrinne, an allerleh Proviant, ir Edel lande gar, ist überauß fruchtbar, Feuwerwerk so vier Stund brinnet werfen sie in die Feste dar. Es Wirt auch sürwar gschrieben, das rote wilde Meer sey ein Monat still blieben biß daß ihr gantz Kriegßheer herüber kommen sey, Gotts gwalt nimb ab hierbey, dem allein ist zu wissen, was das für ein werck müß seyn. Christus und die Propheten habn uns vorlangst verkünd wie daß der Machomete, mit sampt der Juden Gesind der Christen Glauben zwar, sollen annemmen gar, ein Hirt, ein Schaffstall werden vorm jüngsten Tag sagt die Gschrifft klar. O Jesu, lieber HErre deß Türcken gwalt zerstör, den Christen Glauben mehre, die Juden zu dir bekehr gieb fried und Einigkeyt, bhüt uns vor allem Leid, dein Nam ist allein heilig, hie und dort in all Ewigkeit Amen. Das Seltsamste aber bleibt die Erzählung vom ewigen Juden. Die Sage vom ewigen Juden ^) entstand aus einer Vermischung zweier t) Lerman, Lerman Hort man singen im ganzen Landt herumd, die Juden theten springen, waren toll, wild und thumb ein jeder unter in wollte der gröst Han seyn, das künftig glück erschnappen in zugsagt von der Welt anbegin. 2) L. Neubaur, Die Sage vom ewigen Juden, Leipzig 1884.