Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1888
- Issue
- Heft 3
- Article
- Die Juden und die deutsche Literatur
- Date
- 1888-01-01
- Page
- Seite 364 (sequence 68)
- Language
- German
- Belongs to
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Z64 Ludwig Geiger, Die Juden und die deutsche Literatur. Messiashoffnungen der Juden anklangen, an die Sage von den zehn Stämmen, die irgendwo im Orient verborgen zur Zeit des Messias und mit dem Messias wieder auftauchen würden^). Nun erschallen Lieder, die diese Züge als wirklich geschehen darstellen. In dem einen ^) wird berichtet, wie „drey Legion rothe Jüden", welche von Alexander dem Großen in das Gebirg eingeschlossen waren, sich befreit und verbunden haben, um die Türken aus Jerusalem zu vertreiben. Der Liederdichter, der ausdrücklich bemerkt, daß sein Bericht „wahr und nicht erlogen sei", gefällt sich in der abenteuerlichsten Übertreibung: er läßt den König an der Spitze von 900000 Mann stehen. Außer dem König sind vier andere Führer: eine Jungfrau, ein eisgrauer Mann, ein Fürst aus Japania (Japan) und einer aus Creta; die Soldaten reiten leichte Pferde, führen aber Panther und Kameele mit sich. Was die Juden wollen, weiß der Autor nicht; trotz der traditionellen Feindschaft der Christen gegen die Türken, als Vertreter der Ungläubigen, wünscht er denselben diesmal doch Glück im Widerstande gegen die Juden 2). Im Gegensatz zu diesem Dichter, der nur von dem geplanten Unternehmen weiß und den Angegriffenen Bortheil wünscht, will ein Anderer von dem erfolgten Angriff wissen und freut sich, daß die Türken demselben erlegen sindSeine Geschichte ist freilich nicht minder wunderbar als die ^) Vgl. Zeitschrift oben Bd. I, S. 102. Messiashoffnungen werden in den Schriften der Juden im 16. Jahrh. häufig ausgedrückt, vgl. unten S. 373. Auch die judenfeindlichen Schriften nehmen davon in einer Art Notiz, die man auch wohl als Quelle zu unseren Sagen betrachten kann. Zur Probe theile ich folgende Stelle Margaritas mit (Der jüdisch glaub e. 4d fg.) (Die Juden) „trösten sich gar vast der zehen geschlecht die der könig Ässyrios vertribe und fürt sie hinder Assyrien und setzet sie in die stedt Chalo, Chovor des baches Goson und in die stedt Modai, wie du solches findest im vierten buch der künig am 17. Das nimpt mich aber groß wunder, warumb man dise zehen geschlecht die roten Jüden heyst und also hoffen sie gar fast, dise roten Juden sollen kommen und sie erlösen. Sie haben auch kleine Hebreische und teutsche büchleyn, darinnen sie gar vil lügen und märleyn von diesen zehen geschlechten schreiben." 2) Zwo warhafftige newe Zeittung, die Erste, aus Venedig, dis 1596 Jars den dritten Juny, Wie drey Legion rothe Juden, auß dem Gebirg Caspis, hinter dem rothen Meer, jetzund gerüst Herfür kommen, Welche Kayser Alexander Magnus hinder sich im Gebirg verschlossen gelassen hat, die wollen mit Heeres trafst Jerusalem, und das gantze Jüdische Land wider gewinnen und einnemen. In gesangweiß gestellet, im Thon: Störtzenbecher und Gödiche Michael. (Die andere Zeitung über eine Schlacht der Siebenbürger mit den Türken berührt uns nicht.) 4 Bll. A. E. Gedruckt zu Wien in Oesterreich bey Leonhart Nosfinger (Bert. k. Bibl. ^6 5131). 2) Gott weiß was dieser Zug bedeut, das wissen wenig Christenleut, von diesen roten Jüden, die hinder dem rothen Meer herkomen den Türcken zu keinem guten. Gott woll dem Türcken widerstand: Lhun mit den rothen Jüden zu spot und hon. 4) Zwo warhaffte wunder seltzame neuwe Zeitung. Die Erste, wie hundert mal tausend, und sechs und neuntzig tausend Jüden, nemlich das Geschlecht Roboam, Gad, Asar, Jsaac, Sabulon und Manasses vom Berg Caspin dem Türcken in das Landt gefallen und viel feste Stält unnd Schlösser eingenommen haben, auß Venedig, Rom, Constantinopel im Julio und Augusto deß 96. Jars warhafftig geschrieben, Liederweiß gestellet: Im Thon: Pomey, Pomey, ihr Polen. (Die andere Zeitung ist eine Mordgeschichte aus Leuk.) Gedruckt zu Lindaw am Bodense?, bei Hans Ludwig Brem. 4 Vll. (Verl. k. Bibl. 5136).