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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1888-01-01 · Heft 3 · p. Seite 358

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1888
Issue
Heft 3
Article
Die Juden und die deutsche Literatur
Date
1888-01-01
Page
Seite 358 (sequence 62)
Language
German
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358 Ludwig Geiger, Die Juden und die deutsche Literatur. nächst auf Dichtungen hinweisen, die dem 16. Jahrhundert nicht eigentlich angehören, nur ihm nahestehen, aber in der Gesinnung durchaus den Erzeugnissen des 16. Jahrhunderts verwandt sind, auf die Schwanke des Hans Folz und auf das Endinger Judenspiel. Hans Folz l) gibt in einem Drama eine Disputation der Synagoge und der Kirche, für welche dann ein Rabbi und ein Doctor das Wort führen. Die Disputation über das Wesen Gottes, über die Stellung Gottes zu den Juden, über die Auffassung verschiedener biblischen Stellen, über die Beurtheilung der Christen seitens der Juden legt dem Vertreter der Juden die schlimmsten Schmähungen in den Mund: er hofft z. B. auf die Türken als die Vertilger der Christen und Aehnliches. Der Jude erzählt aus dem Talmud die tollsten Märchen, rühmt sich des Wuchers und der Christenverfluchung und muß von dem Christen manchen Spott hinnehmen. Er geht aber nicht eben besiegt aus der Unterredung hervor; ihr Zweck ist weniger, den Juden von der Wahrheit des Christenthums zu überzeugen, als dem Christen einige seltsame Vorstellungen über Judenthum zu geben. In einem zweiten Fastnachtspiel „Ein Spiel von dem Herzog von Burgund" verkünden Juden, ihr Messias sei gekommen und wolle die Herrschaft der Welt antreten. Das Ganze ist eine ziemlich thörichte Posse, in welcher die Juden mit recht groben Mitteln von der Irrigkeit ihres Anspruchs überzeugt und von dem Narren wörtlich und thätlich insultirt werden. Das Endinger Judenspiel ^) zeigt durchaus Stimmung und Gesinnung, Sprache, Schauspielform des 16. Jahrhunderts und behandelt einen ganz ähnlichen Vorgang, wie er in den früher skizzirten Volksliedern und Volksschriften dargestellt war. Es spielt auf einen Vorgang des Jahres 1462 bezw. 1470 an: eine christliche Bettlersamilie wurde in Endingen im ersten: Jahre ermordet, im letztern mehrere Juden der That beschuldigt, sie hätten, so sagte man, den Fremden freundlich Herberge angeboten und ihnen heimlich den Garaus gemacht, dann wurden sie hingerichtet, nachdem sie aus der Folter das gewünschte Bekenntniß abgelegt hatten. Daß das Drama 5616 aufgeführt wurde, steht fest; doch kann es ganz wohl Jahre, auch Jahrzehnte vorher gedichtet sein. Es ist ein Drama mit 48 Personen: Richter, Zeugen, Angeklagte und Volk. Die Darstellung bietet nicht viel besondere Momente: Von Folz gibt es auch eine Berechnung Ruprecht Rolperqers von dem Wucher der Juden 1491 (eingeführt bei Hain, kepertoi'iurQ didlivKraxlueuin, Nr. 7209 ff., die nicht gerade säuberlich mit den Juden umgeht. Daraus bei Weller II, 301, vgl. Keller III, 1282). Die beiden Fastnachtspiele, hgg. von Keller, Fastnachtsp. aus dem 15. Jahrh., Bd. I, 1853, Nr. 1 und 30, 1—33, 169-190, dazu die Anmerkungen Bd. III, S. 1478—1480, 1489. Doch bedürsten die verderbten hebr. Ausdrücke des erstern Stücks noch gar sehr einer Deutung. Zu dem ersten Fastnachtspiel ist eine ähnliche Disputation von Rosenplut, Keller III, 1115 bis 1124 (s. auch S. 1247 ff.) zu vgl., sowie das Fastnachtspiel II, 796-819, der Streit der Juden und Christen vor Kaiser Constantin. Hinzuweisen ist auch auf das das. III, 1450 erwähnte Kampfgespräch. 2) Das Endinger Judenspiel Zum ersten Mal, herausgegeben von K. von Amira, Halle a. S., M. Niemeyer 1883 (Neudrucke dtscher. Literaiurwerke des 16. und 17. Jahrh., Nr. 4?,.

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