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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1888-01-01 · Heft 3 · p. Seite 356

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1888
Issue
Heft 3
Article
Die Juden und die deutsche Literatur
Date
1888-01-01
Page
Seite 356 (sequence 60)
Language
German
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356 Ludwig Geiger, Die Juden und die deutsche Literatur. denen Jude und Wucherer gleichbedeutend ist, höchstens daß er, von Wucherern redend, den Ausdruck braucht, „mit dem Judenspieß rennen". ^) Unter H. Sachs' Spruchdichtungen sind nur drei, die hier in Betracht kommen, der Schwank: „Die plag der Juden ob dem tempel" (18. Dezember 1562), die Historie: „Der Teuffel erscheint den Juden in Creta in der gestalt Mose", und der Schwank: „Der Jung Kauffmann fraß einen todten Juden" (8. Oktober 1563). ^) Die erste erzählt, wie Kaiser Julian den Juden gestattet, in Jerusalem einen neuen Tempel zu bauen, wie dieselben aber durch Erdbeben und Feuer genöthigt von ihrem Versuche Abstand genommen und aus Jerusalem sich entfernt hätten. Die zweite berichtet, daß den zur Zeit des Kaisers Theodosius in Creta wohnenden reichen, aber von den Amtleuten bedrückten Juden der Teufel in der Gestalt Mose erschienen sei und ihnen versprochen habe, sie nach dem Lande Kanaan zu führen. Er leitet die Gläubigen auf einen Berg und gebietet ihnen, sich hinabzustürzen, um trockenen Fußes das Meer zu durchschreiten. Die seinem Befehle Gehorsamen stürzen zerschmettert hinab und ertrinken im Meer; die Zögernden werden von Schiffern gerettet und lassen sich taufen. Die dritte wiederholt nach Sebastian Brant einen losen Schwank. Zwei Juden aus Benedig reisen nach Bologna, der eine wird krank, stirbt, nachdem er vor seinem Tode den Gefährten beschworen hatte, seinen Körper nach Venedig zu bringen. Da aber der Leichentransport dahin verboten war, zerhackt der Ueberlebende den Körper des Verstorbenen, thut in ein Faß mit Wein, Zucker, Honig und Spezereien und nimmt es mit auf das Schiff. Ein Florentiner Kaufmann, der mitfährt, vermuthet in dem Fasse Cachert, sticht es eines Nachts an und verzehrt den dritten Theil. Am folgenden Tage muß er die schlimmen Folgen seiner grausigen Näscherei tragen und hat zu dem Schaden natürlich auch noch den Spott. Wie manchem Deutschen des 16. Jahrhunderts der Begriff: Jude und Wucherer, gleichbedeutend war, so fing man damals auch an Jude für Kaufmann zu setzen. Ein sehr merkwürdiges Beispiel dafür ist folgendes: In Reuchlins Com'ödie „Henno"^) und in ihrer Vorlage der französischen Farce Naitre k>atke1w kommt ein Kaufmann vor, dem ein betrügerischer Knecht gestohlenes Tuch verkauft; Gregor Wagner, der 1547 Reuchlins Com'ödie übersetzt, macht ihn zu einem Juden und nennt ihn Schalmach. 4) Zwei Wucherer, Ortus und Pfortus, kommen in der Comödie: „Der Jüngling im Kasten", Kellersche Ausg., Bd. XIII (Tübingen 1880), S. 244 ff., vor; nichts deutet darauf, daß sie Juden sind; der im Text angeführte Ausdruck daselbst S. 261 fs. 19. 2) Zwei derselben find erwähnt in der sorgsamen, „chronologischen Uebersicht der Spruchgedichte" in B. Arndts Ausgabe von H. Sachs' Werken, Berlin und Stuttgart, Spemann 1884, Bd. I. Nur heißt es dort fälschlich „glag" statt plaq. Daselbst ist noch ein dritter verzeichnet: „Der Jud mit der geschunden grama" (24. Mai 1559), über den d. Nachtr. z. vgl. sind. Die Schwänke selbst in der Ausgabe von H. Sachs' Werken, Nürnberg 1578 ff., IV, S. 107, 122, V, S. 389. s) Vgl. m. Reuchlin, Leipzig 1871, S. 85 ff. Vgl. K. Schaumburg: Die Farce Pathelin und ihre Nachahmungen in der Zeitschrift für neufranzösische Sprache und Literatur, Bd. IX, 1887, S. 26.

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