Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1888
- Issue
- Heft 3
- Article
- Die Juden und die deutsche Literatur
- Date
- 1888-01-01
- Page
- Seite 352 (sequence 56)
- Language
- German
- Belongs to
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Z53 Ludwig Geiger, Die Juden und die deutsche Literatur. Der Erzähler Joh. Manlius besitzt eine besondere Bedeutung, weil er nicht willkürlich zusammengeraffte Geschichten bietet, sondern die Meinung Melanchthon's wiedergiebt und theilweise von dessen Erlebnissen berichtet. Auch er spricht gern von Disputationen, in denen der Christ Sieger bleibt, weil der Jude seinen Gründen nichts mehr entgegenzusetzen hat, oder weil er seinem Widerpart wider die bessere Ueberzeugung Recht giebt, um nur durch seine Hartnäckigkeit keinen Schaden an Leib und Leben zu erleiden t). Ein anderes Mal geben ihm die Juden Veranlassung zu einer rein scholastischen Disputation und Distinction^). An einer dritten Stelle 3) erzählt er eine Anzahl Sabbatgeschichten: daß die Juden am Sabbat Christen zu häuslichen Verrichtungen miethen; daß ein Jude, der christlichen Buchdruckern Geld zu leihen Pflegte, am Sabbat das zurückgegebene Geld nicht zählte, aber beim Aufzählen dabei stand und sich genau von der Richtigkeit der Summe überzeugte. Die dritte, die auch sonst verschiedentlich erzählt wird, läßt er in Magdeburg zur Zeit des Bischofs Ernst spielen. Ein Jude fiel an einem Sabbat in eine Kloake; seine Glaubensgenossen zogen ihn nicht heraus, um ihren Feiertag nicht zu entweihen; der Bischof verbietet, den Juden am Sonntag zu befreien, da der christliche Feiertag ebensoviel Werth sei als der jüdische; daher wird der Jude erst am dritten Tage befreit^). Nicht selten werden einfache grobe Scherze erzählt, die man mit den Juden treibt. Jörg Wickram ^) berichtet: Ein alter Jude kommt an einem heißen Sommertage in ein Wirthshaus, bestellt Wasser zum Trinken und erhält dies nach einiger Weigerung des Wirths, die durch die vorausgegangene längere Trockenheit motivirt wird. Nach dem Trinken muß er!) Vgl. ^on. Uanlii I^oeoruiri eovamuniuru eoI1eetavea(Ausg. v. 1560)p. 72, ff. 74. Das zweite Mal entflieht der Jude ouiQ vero virieeretur; das erste Mal räumt er alles ein. I'aväem ille katedatur oportere eos sie loc^ui ve a riodis oeeiliereutur. — Die erste Disputation handelt über das vielbestrittene 53. Cap. Iesajae. Daß dieses nur richtig verstanden werden könne, wenn man an die Auferstehung glaube, sagt Melanchthon und erzählt zur Bekräftigung dieses Wortes folgende Geschichte: L^o äisputavl eum Huoäaru ^uäaeo de koo ipso eapite, et ipse kadedat ante se positum librum, Lidlia Ledraiea, et eZo Huohue uadedam: et cum essemus prvKressi (Zisputarilio, et. viäeret suas solutiones rüdil valere, iratus ol»usit jidrum et stomaodaduQdus üixit: Ridil volo Äisputare äe isto eapite et odieeit raiui: Ina^iossidile est vos esse populuin Dei, yuia uon servatis le^ena. LZo i-espoväi: Huoirioüo vos rasKis servatis leKem, Huam vos et iutelÜAedairi c^uill vellet. Ille dieedat: ^on loc^uor 6e taeien^o, se6 vos äoeetis contra I^eZem^ c^uauäo 6ieitis uor» esse servau6uiv saddatum.?c>sti!Ia Älelantooviana Oorxus Reforraatorum XXIV, 658. 2) Uaulius, OoUeetaues p. 166 ff. Es scheint mir überflüssig, die Stelle ganz mitzutheilen. 3) A. a. O. p. 196 ff. Diese Fassung der Geschichte, die schon ziemlich ähnlich in den 6esta Romauorurn vorkommt, ist jedenfalls die beste; eine andere in Pauli Schimpf und Ernst e<Z. Oesterley S. 237 Nr. 389 hat keine rechte Pointe; der Autor scheint auf Seite der Juden zu stehen, er ermahnt die Christen, ihre Feiertage ebenso streng zu beobachten, wie die Juden es thun. Güdemann hat darüber gehandelt, vergl. die Redactionsanmerkung im Jüd. Litbl. 1887, Nr. 35, S. 135. 5) Rollwagenbüchlein eä. H. Kurz, Leipzig 1865, S. 87 Nr. 48, vergl. auch Anm. S. 208.