Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1888
- Issue
- Heft 3
- Article
- Die Juden und die deutsche Literatur
- Date
- 1888-01-01
- Page
- Seite 350 (sequence 54)
- Language
- German
- Belongs to
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350 Ludwig Geiger, Die Juden und die deutsche Literatur. füßer) Paulus Pfedersheimer (Paulus von Pfedersen) ^); sie stützt sich eigentlich nur auf eine Aeußerung, die Peter Wickgram macht. Dieser, ein Neffe des berühmten Prediger Geiler von Keiserssperg, erbittert — ob aus wirklicher Verehrung für seinen Oheim oder aus Concurrenzneid bleibe dahingestellt — über die von Pauli veranstaltete Herausgabe der Sammlung Geilers „die brosemlyn", schmähte in der Vorrede einer von ihm besorgten Sammlung Pauli in sehr herber Weise und nannte ihn loripes Huiäam <suäa.eii8 daxtiswate lotus und verpll3 iwxuäsnZ. Solche Ausdrücke können gewiß einen Juden bezeichnen; nach der Unsitte der Zeit können sie auch einfach zur Andeutung der „unlautern Gewinnsucht des Gegners" dienen. Denn kein anderes Zeugniß spricht für Paulis jüdischen Ursprung; des Hebräischen war er so völlig unkundig, daß er, wie Bolte neuerdings hervorgehoben hat, das Wort Adam (ONtt) aus vier Buchstaben bestehen läßt; und Kenntniß jüdischer Gebräuche besitzt er, wie M. Spanier 3) gezeigt hat, auch keine. Sein Judenhaß dagegen ist nicht schlimmer, wie der anderer Erzähler und zu der Begründung desselben braucht man nicht den Eifer des Neubekehrten ins Feld zu führen. Einmal erzählt er die Geschichte einer Sacramentsschändung. Er läßt sie in Paris spielen; eine Christenfrau übernimmt hier die Rolle des Paul Fromm; die Juden vergraben das gestohlene ihrer Schändung widerstehende unter die Thür eines Hauses. Der König reitet darüber hin, sein Pferd strauchelt und vermag nicht wieder aufzustehen. Die Juden räumen ihr Verbrechen ein und werden vertrieben. ^) Ein Iudenmädchen, so berichtet er an anderer Stelle^), das bei einem Christen dient, läßt sich während einer Krankheit taufen und wird gesund. Nach ihrer Genesung sagt sie zu dem Pfarrer: Früher, wenn ich in die Kirche ging, sah ich ein hübsches Knäblein, nun, seitdem ich Christin bin, sehe ich es nicht mehr. Der Priester antwortet: Das macht der Glaube, die Ungläubigen haben nur das Gesicht, die Gläubigen den Geist. Nicht immer sind die Juden, deren er gedenkt, so gläubig. Er spricht einmal von den damals so beliebten Disputationen zwischen Juden und Christen. 6) Mancherlei will der Jude seinem Gegner zugeben, nur nicht, daß Gott in der Jungfrau Maria gewesen. Um ihn zu überzeugen, unterwirft ihn der Christ allerlei Vexirfragen. Der Jude räumt ein, daß Gott aller Orten sein könne, in einem Steine, und einer — Kothlache. Da braust der Christ entrüstet auf, daß der Jude einen solchen Aufenthaltsort Die Verwechselung, durch Veith verursacht, von mir angenommen in den Jahrb. f. deutsche Theologie XXI, 203, von Goedeke im Grundriß I, 2. Aufl., S. 404, am besten zurückgewiesen von I. Bolte, Alemannia Bd. XVI (1888), S. 38 ff., woselbst die weitere Literatur über diesen Gegenstand verzeichnet ist. 2) Sie ist oft abgedruckt, zuletzt von Bolte a. a. O. 5) Johannes Pauli und seine Stellung zum Judenthum in Jüd. Literaturblatt 1887, Bd. 16, S. 131 ff., 135 ff. ») „Schimpf und Ernst" eä. Oesterley, Nr. 556. Nr. 557 berichtet nur von einem Sacramentsdiebstahl, bei dem sich ein Wunder ereignet, ohne daß Juden dabei betheiligt sind. 5) A. a. O. S. 316, Nr. 555. «) A. a. O. S. III, Nr. 154.