Mannheim
Compact Memory

Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1888-01-01 · Heft 3 · p. Seite 349

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1888
Issue
Heft 3
Article
Die Juden und die deutsche Literatur
Date
1888-01-01
Page
Seite 349 (sequence 53)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
85% known words query
IRI
…/2259275-2259334-2259338-2259479--0836-2259635
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Ludwig Geiger, Die Juden und die deutsche Literatur. 349 den reichsten Juden der Stadt, als seinen Gönner an. Der Jude, geschmeichelt durch solche Bevorzugung, schenkt dem reichen Schuster eine Gans, in deren Bauch er zehn Goldstücke verborgen hatte. Der Beschenkte prahlt mit der Gabe, der Arme achtet dieselbe aber gering, sein Nicolaus werde ihm sogar einen fetten Ochsen schenken; er erklärt sich auch bereit, dem Reichen, dem es ja doch mehr auf Geld als auf einen guten Braten ankomme, die Gans abzukaufen. Der Handel wird abgeschlossen: der Arme kauft die Gans, findet die Goldstücke, erwirbt für dieselben einen Ochsen und preist den h. Nicolaus als den Geber desselben. Der Reiche, durch den Juden über seine Voreiligkeit belehrt, will von dem Armen sein Geld erstreiten — denn nur die Gans, nicht aber die Goldstücke habe er verkaust — aber statt die Summe zurückzubekommen, muß er noch das Doppelte als Strafe dafür zahlen, daß er den Juden dem Heiligen vorgezogen.^) Den getauften Juden ist Bebel nicht hold. Er hält dafür, daß ihr Uebertritt nicht aus rechten Motiven erfolge und daß ihre Ueberzeugung keine wahre und gefestigte sei. Zum Beweise dessen erzählt er, daß ein getaufter Jude in Dillingen sich über die Länge des Gottesdienstes beklagt und sich blasphemisch über die Jungfrau Maria ausgelassen hätte; zur Strafe sei er dafür ins Wasser geworfen worden. 2) Trotz der schweren Züchtigung, die hier dem Juden zu Theil wird, meint es Bebel im Ganzen nicht ernst; er, bei dem die fromme Ueberzeugung nicht so stark ausgeprägt ist, wie die Lust am Scherz, hat trotz alledem an den witzigen, selbst ehrfurchtslosen Antworten seinen Spaß und registrirt sie mit Behagen. Bebel ist die Hauptquelle für die deutschen Schwankerzähler des 16. Jahrhunderts. Was diese ihm nachschreiben, kann daher selbstverständlich nicht erwähnt werden; nur das, worin sie neu und selbständig sind, verdient eine Anführung. Da ihre Geschichten sich dem Inhalte nach nicht gut classificiren lassen, so mögen die Erzähler der Reihe nach vorgeführt werden. Unter den Nachfolgern Bebels interessirt uns besonders Joh. Paulis, nicht blos weil er einer der gewandtesten Erzähler ist, sondern weil er lange Zeit für einen Juden galt. Letztere Ansicht war hauptsächlich hervorgerufen durch eine Verwechselung des Joh. Pauli mit seinem Ordensbruder (Bar- ')?ol. 58 ff.: De äuodus sntoridns. Am Schlüsse drückt sich Bebel kräftiger aus: Huoä in oontuweliarQ 8. Rieolai ioetiäum 5n6aeuin invoessset. 2)?o1. 96 ff.: Oe ^näaeo daptisato. Der Anfang lautet: De Iritis et xertioatia «ZuäaeorurQ vsteruiv tempora plnra monumenta extant: nostris vero temporidus ad eorum inajoridus raro äe^enerant aüeo nt di yni aliHnanöo adjurata Zentili Läe aä Onristianam ti-susiei-int, vix unns aut alter dene et perseveianter ereäant. Der Jude sagt: „si nnioo pnero tarn sanuis oeovpati, si deata vii-Zo (yuaw irckonesto nomine appeUavit) aänno alinnn Lliura peperisset, totns inunlZus äies atczue nootes in eornm rainisterio tnisset cletentus at^ne maneivatus." 3) Seine Sammlung „Schimpf und Ernst", hgg. von Oesterley, Tübingen 1866 (Publ. des lit. Vereins). Die weitere Lit. ist Mg. d. Biogr. XXV, 262 zusammengestellt.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.