Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1888
- Issue
- Heft 3
- Article
- Die Juden und die deutsche Literatur
- Date
- 1888-01-01
- Page
- Seite 348 (sequence 52)
- Language
- German
- Belongs to
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348 Ludwig Geiger, Die Juden und die deutsche Literatur. die sich nicht wiedergeben lassen ^), aber es finden sich auch Erzählungen wie die folgendes: Ein Christ, Matthias aus Ulm, behauptet, beim jüngsten Gericht werde es den Juden schlecht gehen, die Christen aber, deren Seelen das Zeichen der Taufe aufgeprägt sei, werden straflos ausgehen. Der Jude aber entgegnet, da man mit Seele und Leib auferstehe, so werde dieses seelische Zeichen wenig nützen; glücklicher seien sie, welche die Beschneidung vorweisen könnten. Wenn auch der Christ die Schamlosigkeit des Juden tadelt, so gibt doch der Erzähler des Letztern witzigen Antwort den Vorzug. ^) Nicht immer ergeht es den Juden in den Disputationen so gut. Bei einem scherzhaften Zusammentreffen schlägt ein Jude einen Christen auf die Backe und sagt, nun müsse er nach den Worten des Evangeliums ihm auch die andere zum Schlagen darreichen. Der aber wirft ihn zu Boden und prügelt ihn tüchtig; das geschehe zwar nicht laut dem Evangelium, aber laut der Glosse, worüber sich der Jude beklagt. 4) Die Juden sind, auch nach Bebel, nicht blos Schristgelehrte, sondern Kausleute. Leider gibts deren nicht genug, klagt Bebel, denn gäbe es genug Juden, so brauchten die Christen nicht zu wuchern. ^) Diese Wucherer werden nicht selten gefoppt. Der Eine, der seinen adligen Schuldner beim Barbier trifft, verspricht mit dem Eintreiben seiner Forderung so lange zu warten, bis der Andere völlig rasirt ist und wird beim Wort genommen, indem der Adlige von dann an nur mit einem halben Barte herumgeht. °) Ein Anderer kaust bei einem Betrüger etwas ganz Werthloses, Abscheuliches für eine große Summe. ^) Schlimmer ist schon die übrigens oft erzählte Fopperei eines jüdischen Mädchens durch einen Christen, der sie verführt, und ihr, um ihre Schande zu verbergen, verspricht, sie solle den Messias gebären — natürlich bringt sie ein Mädchen zur Welt, s) In einem andern Falle gibt ein reicher Jude als Mitschuldiger Veranlassung zu einem hübschen Scherz. Von zwei Schustern zu Worms ist der Eine kinderlos, reich, geizig und mißvergnügt, der Andere Familienvater, arm, trotzdem dem Wohlleben geneigt und stets fröhlich. Letzterer wählt den h. Nicolaus zum Patron, Ersterer ruft den David, Ueber Bebel selbst A. d. BLogr. II, S. 195 ff.; Ren. u. Hum. S. 423 ff. Die Schwanke citire ich nach der e<Z. 1550, setze aber, um die Auffindung leichter zu machen, der Angabe des Blattes den Titel der Erzählung bei: Vol. 3: OHusäaru ^'uäaieae mulieris kaostuui dietum. 2) Pol. 19: Ouristiavi et «luäaei äisputatio. 3) Vaäs patidulnm eam tua ivapudentia, läßt Bebel den Christen sagen und schließt: Itayne viotor se ^uäiee adiit, d. h. deutlich: aber nicht nach dem Urtheile Anderer. Vol. 79: De ^uäaeo et Ouristiano. Der Schluß lautet:?i'ok ait äseus Zlossa vsstra, ut viäeo, inulto äurior eLt quam textus et difLeilior etiam Hnam leZisIator ip8S äoeuerit. 2) Oixit lzuiäava, noii satis esse Ouristiauis saeerdotum, «snäaeoruiu et nobilium, huoniain, si satis Zuäaeoruui kaderemus, vdristiani usuram von eapereut . . . Paeetiae iol. 30 d. «) Vol. 69: De nodili et ^uäaeo. 7) Vol. 36: De wereatore et ^aäaeo. H Vol. 51: Listoria 6e «luäaes. Lliam pro Nessia. parieute. Vgl. Nachtr.