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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1888-01-01 · Heft 3 · p. Seite 345

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1888
Issue
Heft 3
Article
Die Juden und die deutsche Literatur
Date
1888-01-01
Page
Seite 345 (sequence 49)
Language
German
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Ludwig Geiger, Die Juden und die deutsche Literatur. 345 echt scholastischer Weise und führt sie in ebensolcher aus: 1. Die Che sei heiliger wie Kindesbande, erstere könne bei der Taufe zerrissen werden, um wievielmehr die letzteren. 2. Für die Taufe genüge die Willenserklärung des Taufpathen. 3. Ein Jude habe nicht mehr Rechte über sein Kind als ein Christ, Christenkinder würden gegen den Willen des Vaters getauft, also auch Judenkinder. 4. Die Juden seien rechtlos; die Gnade, welche ihnen irgend welches Besitzthum einräume, könne nicht hindern, ein Kind dem Christenthume zuzuführen. 5. Der Same Israels werde deswegen nicht untergehn, denn für ihn sei Platz genug unter den Heiden. 6. Die väterliche Gewalt könne das ewige Heil nicht hindern. 7. Der Vater dürfe der geistlichen Erbschaft nicht entgegenstehn, welche sein Sohn antreten wolle. Zasius begnügte sich nicht mit diesen sophistischen Auseinandersetzungen; er fügte heftige Worte gegen die Juden hinzu; er nannte sie trueul6nw8 destias, die man in christlichen Ländern nicht dulden solle. Wie viele Juden damals die Taufe annahmen, ist uns nicht überliefert. Daß dagegen manche selbst bei Gefahr des Lebens dem väterlichen Glauben treu blieben, ist uns bezeugt (vgl. oben S. 311 A. 3) Im Allgemeinen genossen die getauften Juden bei ihren neuen Glaubensgenossen keiner sonderlichen Achtung; der Satz, man könne keinen getauften Juden trauen, war ziemlich verbreitet. Diesem Satze suchte Johannes Drakonites in einer Predigt entgegenzutreten, die er bei der Taufe eines Juden hielt 2). Der Täufling scheint kein sonderlich rühmliches Subject gewesen zu sein, er saß vordem im Gefängniß, freilich, wie der Prediger meint, „darein er unschuldiglich wie Joseph von den geitzigen und neidischen Jüden bracht." Die Predigt athmet den furchtbarsten Haß gegen die Juden^), sie sucht ihre Aufgabe vielmehr darin, diesem Hasse Ausdruck zu geben, als ihren Satz auszuführen und schließt mit der merkwürdigen in einer Verherrlichung des Heilands gipfelnden Auseinandersetzung, daß der christliche Glaube von getauften Juden mehr zu halten habe als von getauften Heiden. 1) Bon der Tauffe j des Juden Gerson > Mit Weib vnd kindern > zu Marpurg j in Christum j getaufft j 1545. > Doktor Joannes I Draconites. j Lu. xix I Heutte ist diesem Hause heil widerfahren: sintemal er j auch Abrahams Son ist. j 3 Bogen s. 4 Bl. in 4<>. Der genannte Gerson ließ sich mit Frau, Tochter und Sohn taufen. Der Sohn hatte als Pathen den berühmten Theologen Prof. Theob. Thamer; der Vater: Georg v. Colnnedsch, Statthalter, Joann Riedesel, Erzmarschalh, Doktor Joannes Drakonites, also den Prediger selbst. Dieser widmet seine Schrift „Der Tugeittsamen Jungfrawen: Elisabeth Hiltbrantin" und beginnt dieselbe folgendermaßen: „Diese Predigt habe ich allen ungetaufsten Jüden zur schände und allen getaufften in Christum zu ehren, durch den druck außgehen lassen. Denn wer solt nicht frölich sein, wenn sich ein Jüde leßt teuffen in Christum? welcher Herr wolt die Jüden nicht vertreiben, der jre Ceremonieen vnd Gebette weiß so teglich Widder Christum vnd alle Christen geschehen?" 2) Nur zwei Stellen seien hervorgehoben: „Denn welche pestilentz ist einer Stad schedlicher, denn ein ungetanffter Jüde, der alle Tage Christum sampt allen Christen verflucht und macht, das Gott über die Stad erzürnet, darinnen Jüden wonen" . . . „Denn was ist ein ungetanffter Jüde der Ertzwucherer anders, denn ein Mörder Christi und aller Christen seind?" Zeitschrift f. d. Gesch. d. Juden i. Deutsch!. II, 23

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