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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1888-01-01 · Heft 3 · p. Seite 344

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1888
Issue
Heft 3
Article
Die Juden und die deutsche Literatur
Date
1888-01-01
Page
Seite 344 (sequence 48)
Language
German
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344 Ludwig Geiger, Die Juden und die deutsche Literatur. wird, mit den Juden sehr wenig zu thun; sie ist im Wesentlichen ein reformatorischer Dialog, hauptsächlich ein Gespräch, das der Christ, übrigens der Fiction nach in Italien, mit dem Wirthe und dem Hausknecht führt. Nur am Anfang tritt der Jude auf, der über Bologna nach Constantinopel reist unter der Angabe, er werde dorthin von den Seinigen aus Prag geschickt, um ein paar Exemplare der hebräischen Bibel und des Talmuds, die dort neu gedruckt würden, zu bestellen. Der Jude trifft den Christen auf der Reise, und bittet den Gefährten, ihn im Wirthshause nicht als Juden anzureden und zu behandeln, sondern ihn Conrad zu nennen, wie er sich auch schon das vorige Mal genannt habe. Der Christ verspricht auf das Verlangen einzugehen; trotzdem ist die Unterhaltung, die er mit dem Genossen führt, nur verständlich, sobald dieser ein Jude ist. Freilich spielt der Jude in dieser Unterhaltung, die sich um Christus als Messias dreht, eine ziemlich passive Rolle; er unterbricht die längeren Auseinandersetzungen des Unterredners nur durch kurze Fragen, in welchen er weitere Aufklärung erbittet. Erwähnenswert!) ist nur noch, daß der Christ Luthers Schrift citirt, daß Jesus Christus ein geborener Jude sei und selbstverständlich durchaus auf Seite Luther's steht ^). Fast alle, die sich über die Judenfrage ausgesprochen, hatten an ihre Darlegungen die mehr oder minder energisch ausgedrückte Forderung geknüpft, die Juden sollten sich taufen lassen. Diese Forderung war entweder iu die Form eines freundschaftlichen Rathes an die Juden oder in die einer direkten Bitte an die Landesherrschast gekleidet. Um die Rechtsfrage kümmerten sich die Bittenden beim Aussprechen ihres Gesuches nicht. Aber die Juristen kamen ihnen entgegen. Wenigstens der berühmteste Jurist der Zeit, Ulrich Zasius, versuchte in einem einzelnen Falle, die Sache zu Ungunsten der Juden zu entscheiden. Der Fall war folgender: Ein pfalzgräflicher Jude war in einer Fehde gefangen worden und hatte seinen Sohn als Geißel für das Lösegeld dagelassen. Das Kind wandte sich an den Rector der Kirche zu Freiburg mit der Bitte, die Taufe zu empfangen; die Bitte, anfänglich zurückgewiesen, wurde schließlich gewährt, vielleich eben mit Rücksicht auf das Zasius'sche Gutachtens). Der berühmte Jurist macht sich die Sache ziemlich leicht. Die vier Gründe, welche gegen die Taufe sprechen, 1. Rücksicht auf die väterliche Gewalt, 2. das Ungenügende des Willens des Kindes, 3. die Bestimmung, man dürfe den Juden nichts wegnehmen, 4. der Ausspruch der Bibel: der Same Israelis solle nicht untergehn, erwähnt er kurz, um desto ausführlicher bei den Gründen zu verweilen, die für die Taufe angeführt werden können. Er erdenkt sie in ') Mit einer kurzen Erwähnung mag eine kleine Schrift abgethan sein, die übrigens schon in das 17. Jahrhundert gehört. Sie führt den Titel: Ein Geistliches Gespräch zwischen Einem Christen vnnd Juden, vom Wucher, vnd der Zukunfft Messiae. In ein kurtzes Gespräch verfasset. Durch M. Christophorum Crinefium Schlaeowaldo-Bohemum. Gedruckt im I. Al.ve.XVI. V.O. 2^ Bog. in 8<> (Nürnberg. Kirchenbibl.). Eine andere Disputation aus dem 16. Jahrh. citirt Steinschneider oben Bd. II, S. 52, aus einer Wiener Handschrift. 2) De ^uZseis parvuliZ daptisaiadis HUkiesriones tres 1508. — Vgl. Stintzing, Ulrich Zasius, Basel 1857, S. 113 ff.

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