Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1888
- Issue
- Heft 3
- Article
- Die Juden und die deutsche Literatur
- Date
- 1888-01-01
- Page
- Seite 341 (sequence 45)
- Language
- German
- Belongs to
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Ludwig Geiger, Die Juden und die deutsche Literatur. 341 von diesem Tode berichtetist mir leider nicht zugänglich gewesen. In ihr soll Michel als eine „lange, imposante Person, wohl beredt, als ein halber Edelmann" geschildert sein, den man wegen seiner stattlichen Erscheinung als einen natürlichen Sohn des Grafen von Reinfeld ausgab. Von seiner Stellung -wird gesagt: „denn von einem jeden Juden, groß und klein, Mann und Frau, hatte er jährlich eine Krone; darum haben die verarmten Fürsten diesen reichen Juden für ihren Patron und Nothhelser gehalten." V. In allen bisher besprochenen Schriften waren Meinungen der Juden angeführt aus der Bibel, aus rabbinischen Schriften, gelegentlich auch wohl aus den Zeugnissen der Zeitgenossen. Juden selbst als Fürsprecher ihrer eigenen Anschauungen kamen jedoch nicht vor, außer in der einen freilich verlorenen Schrift, welche Luther so sehr in Harnisch brachte (vgl. unten Excurs II). Schon das Mittelalter kannte freilich derartige Disputationen in Glaubenssachen. In Deutschland erfolgten sie seltener als in anderen Ländern, aus dem einfachen Grunde, weil als nothwendige Vorbedingung der Zulassung zu einer solchen Disputation eine gewisse freie, wenn auch nicht geradezu gleiche sociale Stellung der DiSputirenden angenommen werden mußte, welche eben in Deutschland den Juden nicht gewährt war. Nimmt die Literatur von derartigen Veranstaltungen Notiz, so thut sie das meist in dem Sinne, daß sie die Juden als Besiegte vorführt, als Besiegte, die ihre Sache entweder selbst preisgeben oder die von den Urtheilenden als Unterlegene erklärt werden; nicht selten folgt der Niederlage noch Schädigung des Vermögens oder des Lebens. In den kleinen Disputationen, von welchen die deutschen Schwänke des 16. Jahrhunderts zu berichten wissen, ist der jüdische Unterredner entweder der Gefoppte oder Halsstarrige oder Beides. Eine wesentliche Veränderung dieser Auffassung erwirkte Reuchlin oder führte sie wenigstens für sich in seinen Dialogen (1494 und 1516) aus. Er, der bei jüdischen Lehrern in Deutschland und im Auslande studirt hatte und der in der jüdischen Geheimlehre keine der christlichen Religion entgegengesetzte Anschauung, sondern die Verklärung derselben erblickte, schilderte die jüdischen Unterredner seiner neuphthagoräisch-kabbalistischen „Zum 5. das man jnen das Geleit Handel und Wandel auffhebe, das sie nicht wie Michel (und Josef) Jude wie Graffen und Edelleut umreiten sondern daheim in der stille ir Brod im Schweis erwerben musten." Bon Michel Juden Lodt. Johannis Liechtenberg's Prophecey. Megßen wird Heydentzen, so wirt die Marrk Judentzen, vnd gold für Gott anbetten. (Marbach, 1549, 8 Bl.) Sie wird angeführt von Kayserling, Hebr. Bibl. VIII, 83 ff. — Derselbe giebt einige Notizen aus der Schrift und einen Auszug aus einem Briefe des Jahres 1582 (Frankels Monatsschr. 1861 S. 239, 1865 S. 425), die beide oben benutzt sind. Vgl. Nachträge unten. — Die Handbücher: König, Annalen der Juden in der Marl Brandenburg, S. 62 ff., Schwebel Berlin, S. 457 geben, wie gewöhnlich, nichts Brauchbares.