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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1888-01-01 · Heft 3 · p. Seite 340

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1888
Issue
Heft 3
Article
Die Juden und die deutsche Literatur
Date
1888-01-01
Page
Seite 340 (sequence 44)
Language
German
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340 Ludwig Geiger, Die Juden und die deutsche Literatur. die ihn weit über die anderen Juden erhob, vielfachen Neid zuzog; ein literarisches Zeugniß dieses Neides ist uns erhalten. Es ist ein Gedicht unter einem Holzschnitt, einen Juden darstellend, der mit einem Geldsäckel vor dem auf einer Säule stehenden goldenen Kalbe kniet ^). Das Gedicht beginnt mit den Worten: Hort ir Herren allgemein, arm reich groöz vnd clein, vnd habet kein verdriesz darinnen, Wunders solt ir werden innen, ich Pin ein jud des laugn ich nicht, von art ein schalkhaft pösentwicht, wnd hayßz der Gossel unverzayt, ein herolt aller jüdischayt. Der Jude, der auch weiter redend aufgeführt wird, fährt in seiner Selbstcharacteristik fort, die ihm ein Lob zu sein dünkt, rühmt sich im Besitz eines in hebräischer Sprache geschriebenen, mit Flüchen gegen die Christen angefüllten Buches zu sein, des Talmud (der ungenannte Dichter sagt freilich: „Calmut haist das selbig puech"). Er zählt alle Schandthaten seiner Glaubensgenossen auf, besonders die von denselben vermöge des Geldes ausgeübte Beherrschung der Christen und hofft auch in Zukunft weitere Triumphe zu erleben^). Auch sonst finden sich wohl gelegentlich kleine, wie wohl versteckte Spöttereien gegen Joselmann^). Der an letzterer Stelle mit ihm zugleich genannte Michel scheint in Berlin eine sehr hervorragende Stellung eingenommen, durch seinen Reichthum geglänzt, durch die Pracht seines Auftretens, z. B. auf dem Reichstage in Augsburg 1548, den Neid Anderer erregt zu haben. Er starb, nach wechselvollen Schicksalen, eines schmählichen Todes. Die Schrift, die ganz vor kurzem (kevue des Lt. jmves Bd. XVI, S. 84—105) ist Ioselmann schon erwähntes hebr. Tagebuch (1471—1547) mit franz. Übersetzung veröffentlicht worden, das seine wichtige und erfolgreiche Thätigkeit klar überschauen läßt. ') Gedicht und Holzschnitt bezeichnet als Handschrift Nr. 3301 der Wiener Bibliothek Fol. 388 abgedruckt und beschrieben von Chmel: Der österr. Geschichtsforscher I (1838) S. 118. Chmel verlegt das Gedicht in das 15. Jahrhundert; er bemerkt weder die Beziehung auf Joselmann, noch die aus den in der folgenden Anmerkunq mitgetheilten Versen ersichtliche Anspielung auf die Bertreibung aus Regensburg 1519, vgl. oben S. 315. 2) Darumb wir neulich in grosser not Gefangen lagen aufs den tod In Regenspurg in der werden stat Doch fund wir juden disen rat Vnd losten uns von rad vnd prand Das tuet vil manchem cristen ant Wir woltn uns aller veind erbern Und under in gar wol ernern Wer nicht der Prediger im tuent? Er maint mit vns zu . . . Das Gedicht bricht mit diesen Versen ab. Liegt in den letzten Versen vielleicht eine Anspielung aus den Prediger Balthasar Hubmaier, der als grimmer Feind und einziger wirklicher Schädiger der Juden hingestellt wird. 3) So deute ich wenigstens die Stelle in Nigrinus: Judenfeind S. 215 (die Zahlen beziehen sich auf die von Luther aufgestellten Forderungen gegen die Juden):

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