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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1888-01-01 · Heft 3 · p. Seite 338

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1888
Issue
Heft 3
Article
Die Juden und die deutsche Literatur
Date
1888-01-01
Page
Seite 338 (sequence 42)
Language
German
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338 Ludwig Geiger, Die Juden und die deutsche Literatur. Von dem Verfasser eines der zuletzt angeführten Gedichte rührt auch eine Prosaschrist her^). Dieser Verfasser, Georg Nigrinus, Pfarrer zu Gießen?), war ein überaus heftiger Polemiker, der mit den Katholiken ebenso wenig säuberlich verfuhr wie mit den Juden. In seiner Schrift citirt er seine Quellen: Bibel und Kirchenväter, nennt Luther mit besonderer Ehrfurcht 3), weist auch auf das hin, was er selbst erfahren und erlebt habe, schließt sich besonders eng an Victor v. Karben und Antonius Margaritha an, nennt auch, wenn es ihm paßt, Reuchlin als seine Autorität, hat aber für Pfefferkorn nicht den Respect, den andere Gesinnungsgenossen diesem Eiferer zu Theil werden ließen^). Sein ganzes Buch ist mehr eine Zusammenstellung fremder Ansichten als eine Darlegung eigener. Er nennt die Juden Talmudisten, nicht Juden, weil sie dem Talmud mehr folgen als der Bibel, ja Vorschriften vernachlässigen, welche in der letztern enthalten sind. Er bemüht sich, die Christenfeindschaft der Juden aus den Büchern Nizachon und Toldot Jesu zu erweisen und darzuthun, daß jüdische Festgebräuche und sonstige Ceremonien zur Verspottung der Christen bestimmt sind. Er bezeichnet die Juden als Wucherer, Betrüger und Falschmünzer und entnimmt, gleichfalls aus einer der bereits genannten Quellen, eine Aufstellung, wonach ein Gulden mit Zinsen und Wucherzinsen in 22 Jahren zu der horrenden Summe von 5691 Gulden 16 Schilling Mit den Siegeln treiben wir grob boffen. Hat ein zu Bischesheim an der Tauber verdrossen. (Bl. B 8a). Ich vermag indessen nicht zu sagen, auf welches Factum sich diese und die vorige Stelle bezieht. ') Juden Feind. Von den Edlen Früchten der Thalmudischen Inden, so jetziger Zeit in Teutschelande wonen, ein ernste, wolgegründte Schrifft, darin kurtzlich angezeiget wird. Das sie die gröste Lesterer und Verechter unsers Herrn Jesu Christi, Darzu abgesagte und unversünliche Feinde der Christen sind. Dargegen Freunde und Verwände der Türcken. Ueber das Landschinder und Betrüger, durch jren Wucher und falsche Müntz. Die auch über das viel unleidlicher böser stücke treiben. Derhalven sie billich von einer jedern (!) Christlichen Oberkeit nicht geduldet werden selten, oder dermaßen gehalten, wie in Gott selbs die Weltliche und Geistliche Recht aufferleget, in zur straffe, vnnd allen VLlckern, Sonderlich den Christen Menschen zum Exemvel. Durch Georgium Nigrinum Pfarherrn zu Giessen. ^.nrio All)IXX. Die ersten und letzten Zeilen des Titels sind roth. 222 S. kl. 8 (Verl. k. Bibl.) Die Schrift ist, trotz der Jahreszahl 1570, schon 1569 geschrieben; in der Borrede heißt es: „Und in diesem Jahr, da man schreibet nach Christi unsers Herrn Geburt 1569." Eine andere Ausgabe 1605 (Gött. Bibl.). Nach dem Titel „Judenfeind" u. f. w. steht daselbst noch: „Hierzu ist jetzt kommen eine richtige Erklärung und Widerlegung ihres vermeinten Schemhamvhoras." Vgl. unten Nachträge. y Vgl. über ihn Allg. d. Biogr. XXIII, 695—698, woselbst auch ein Verzeichniß seiner Schriften. 3) Ueber Luther die nicht uninteressante Stelle S. XXXX: „Es lestern wol die jetzigen Jüden Lutherum wie auch die verstockten Papisten und sagen, er habe etliche hundert gülden von jn begert; weil jm das abgeschlagen, sey er auß zorn beweget worden, solches wider sie zu schreiben." Er nennt dies mit Recht eine Lüge oder, in seiner «sprachweise, „eine grobe jüdische, d. i. teuflische Lüge". 4) Er verwechselt ihn vielmehr, wie die Humanisten es gerne thaten, mit dem zu Halle verbrannten Juden gleichen Namens (vgl. oben S. 3Z7). Nigrinus schreibt 155 von Pfefferkorn, „welcher doch wider abgefallen und selber diese Jüdische kunst gebrauchet hat"; gemeint ist die Ausübung der ärztlichen Thätigkeit mit menschenmörderischen Absichten.

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