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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1888-01-01 · Heft 3 · p. Seite 335

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1888
Issue
Heft 3
Article
Die Juden und die deutsche Literatur
Date
1888-01-01
Page
Seite 335 (sequence 39)
Language
German
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Ludwig Geiger, Die Juden und die deutsche Literatur. 335 auch die Taufe bessere weder die Gesinnungen noch die Handlungen der Juden *). Eine zweite gleichfalls in Versen geschriebene Schrift: „Der Judenspieß" 2), deren Verfasser sich mit einem nicht sehr schmeichelhaften Pseudonym „Hans Obenaus" nennt, veranlaßt zunächst eine kurze Bemerkung über den Titel. Der Ausdruck „mit dem Judenspieß rennen"^) oder „fechten, laufen" ist in der deutschen Literatur seit dem 15. Jahrhundert üblich, findet sich z. B. bei Seb. Brant, wird aus Christen angewendet, ist eine sich an das Turnierwesen anlehnende Wendung und bezeichnet die jüdisch-wucherische Gesinnung der Christen. Die Vorrede unserer Schrift bezieht sich aber aus Juden; sie geißelt das wucherische Treiben nicht bloß der Christen, sondern der Juden selbst und will durch eine Zusammenstellung der aus der Bibel gewählten Beispiele das Nutzlose, ja gradezu das Schadenbringende des Geldbesitzes erweisen, das schlimme Ende der Geizhälse und Geldscharrer darthun. Die Dritte zeigt, was sonst in jener Zeit ziemlich selten ist, im Titel ein wenig Ironie. Sie will von der Juden Unehrbarkeit reden und nennt sich „Von der Juden Erbarkeit"^). Aber das ist im Grunde ihr einziger!) kol. H 1^: Ob sich ein Jud schon taufsen lat So ist er doch nit fisch on grad. Und hat darzu zwelff eyd geschworn, Ist Krisam und taufs daran verlorn. 2) Der Judenspieß. Der Judenspieß bin ich genandt > Ich fahr daher durch alle Landt I Von grossen Juden ich sagen will > Die schad dem Land thun in der still... 1541. (Also sprech ich Hanns Obenaus . . Ein ander Schöner Spruch . . von Wucherern . . welchen Freydanckt . . gemacht hat) 10 Bl. in 4«. Nürnb. 8 Bl. 8«. Dies Citat nach Goedekes Grundriß. Eiu mir vorliegendes Exemplar der k. Bibl. in Berlin ist unvollständig; ein vollständiges habe ich mir nicht verschaffen können. Unter den 8 Versen des Titelblattes ein bärtiger Jude, der in der rechten Hand einen Spieß hält. 3) Die Ausführung nach M. Heyne, Grimms Deutsches Wörterbuch IV. Bd., 2. Abth. Leipzig 1877, SP. 2357. Der Iüden Erbarkeit. Alhie siehstu der Iüden Tantz, Jr Gottes Lestrung und Finantz, Wie sie den Son Gotts verspeyen. All Christen vermaledeyen. Darzu all Christlich Oberkeit, Weils nicht gerhet, so ist's in leid. Auch jr grewliche Wucherey, Noch find sie bey alln Herren frey. Betracht doch solchs du sromer Christ, Du seyst gleich hoch, oder wer du bist. Las dir dis Buch zu hertzen gan, Gott wird eim jeden gebn sein lohn. 6 Bogen A bis F 5.4 Bll. in 4". A. E. Gedruckt im Jar als man zalte ein tausent, fünff hundert, siebentzig eins. O. O. (Verl. k. Bibl.) Daß die Schrift von Georg Nigrinus ist, entnehme ich aus Goedeke N, 2 S. 281. Auf dem Titelblatt unter den oben mitgetheilten Versen ein merkwürdiger Holzschnitt: Thiere mit Gewändern, auf denen das Iudenabzeichen; zuerst ein Hirsch aufrecht stehend, mit erhobener Borderpfote, an der Krallen sichtbar sind; daneben ein Hahn mit einem Stelzfuß; endlich ein den Dudelsack blasender Affe (?) auf einem Schwein reitend, den einen Fuß in einem Kochtopf, aus dem ein Löffel herausguckt (das Schwein speit Unrat aus).

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