Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1888
- Issue
- Heft 3
- Article
- Die Juden und die deutsche Literatur
- Date
- 1888-01-01
- Page
- Seite 334 (sequence 38)
- Language
- German
- Belongs to
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334 Ludwig Geiger, Die Juden und die deutsche Literatur. Manipulationen des Badens werden nun vorgenommen und nach einer kurzen Beschreibung derselben die Handlungen der Juden dargelegt und verurtheilt. („Ausziehen, Krauen, Schwitzen, Schröpfen, Blut abwaschen, Zwagen, Ausgießen"). Der Autor ist zwar sehr resignirt, er sagt am Schlüsse und mehrfach in der Schrift, daß mit den Juden nichts anzufangen sei, dennoch constatirt er die seiner Meinung nach traurigen Zustände und bringt seine Klagen vor. Er ist schon darüber ärgerlich, daß die Juden christliche Namen tragen und ohne Abzeichen einhergehn, aber weit mehr darüber, daß die Juden in ihrer Schlauheit die Schwächen der Christen erkennen und benutzen, dieselben mit Wucher Plagen, Andersgläubige betrügen, diese Handlungsweise als eine erlaubte schon in ihrem 14. Jahre aus dem Talmud lernen. Als die schlimmsten Schäden aber erklärt er, daß Juden allen Handel an sich reißen ^), in Gemeinschaft mit Christen Handelschast treiben, daß sie sich durch Geschenke in die Gunst der Großen dermaßen einzuschmeicheln wissen, daß sie vor Gericht immer Recht bekommen — ihren Lügen werde mehr geglaubt als den wahrhaften Aussagen ihrer christlichen Gegner — und allerlei Privilegien erhaltendaß sie ihren gewöhnlichen und häufigen Betrügereien die besonders schädliche des Münzbeschneidens hinzufügen6), ja daß sie selbst Münzen schlagen^). Für diesen traurigen Zustand lasse sich nach der Meinung des Autors keine Abhilfe finden, denn Schnorr von Carolsfeld, Zur Geschichte des deutschen Meistergesangs, Dresden 1872 S. 49—59 uud Murners bekannte „geistliche Badfahrt". Auch viele Schwanke beschäftigen sich mit dem Bad. Wie so oft, hat auch dieser Theil der deutschen Literatur sein Vorbild in der italienischen Renaissanceliteratur; Fr. Poggio beschrieb in einer mehrfach gedruckten und übersetzten lateinischen Schrift die Bäder von Baden in der Schweiz. Es gibt auch eine Dichtung: „Des Papstes Badstub" 1546, angeführt bei Weller, Annalen II, 348. ') WI. B 4^. Die Juden handeln Mit gülden silbern klevnot fein Auff flowel, karmasin, dammast Bersteen sie sich schier allerbast. Mit sammat, seyd und specerey Kein Handel da kein Iud in sey. 2) kol. A 4^: Die Juden haben verbriefte und gesiegelte Privilegien: Daran er noch kein gnügen hat. Ein teschen brieff auch machen lat. Des sind sie freyer in Teuschem landt. Dann kein volck in dem Christen standt. s) kol. D 15. Kein böse müntz ir keiner beschneydt, Schwer reinisch gülden und Dukaten, Der gleich gut Kronen, Engelbotten, Dick Pfennig und sunst gut sylbern müutz. 4) a. a. O. Wer kan es beschreyben, sagen Die Juden bstünden müntz zu schlagen, Ist mirs geträumt oder Hab ichs glesen. Es seien neu Lottringer gewesen. Sollte der Ausdruck nicht wörtlich gemeint sein, vielleicht irgend ein Scherz darin liegen? Dagegen spricht die durchaus unhumoristische Art unseres Autors, außerdem die unmittelbar folgenden Verse (D 2a), die doch wol etwas mehr als Falschmünzerei besagen: Sie wöllen int das man es sag. Noch gschehn der stücklin alle tag, Wiewol sies fein zudecken wissen.