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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1888-01-01 · Heft 3 · p. Seite 332

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1888
Issue
Heft 3
Article
Die Juden und die deutsche Literatur
Date
1888-01-01
Page
Seite 332 (sequence 36)
Language
German
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332 Ludwig Geiger, Die Juden und die deutsche Literatur. zeigen, die auf der einen Seite genährt wurde; was Wunder, daß man auch auf der andern Seite ähnliche Empfindungen erwiderte und mit schlimmen Thaten den Haß vergalt oder verdiente. Unter den dem Katholicismus treugebliebenen Humanisten mag außer Reuchlin, wenigstens einer der Chorführer, nämlich Mutian genannt werden; eine seiner Aeußerungen, in welchen die Juden als mitbetheiligt an den Bauernunruhen erklärt werden, ist oft angeführt ^) und in verschiedener Weise gedeutet worden. Aber noch eine andere höchst seltsame Stelle findet sich in seinem Briefwechsel, in welchem die menschheitumfassende Gesinnung des Christenthums dem ausschließenden christenseindlichen Standpunkt der Juden gegenübergestellt wird. Die Stelle ist aber besonders seltsam dadurch, daß Mutian, der sich sonst als starren Gegner aller specifisch christlichen Gebräuche manifestirte und grade der Persönlichkeit Christi nicht den Respect zollte, den seine Glaubensgenossen, selbst wenn sie nicht Geistliche waren, dem Stifter ihrer Religion erwiesen 2), sich hier als besonders treuen Grabwächter Christi gerirt ^). Er wie alle Humanisten, die sich am Reuchlinschen Streite betheiligten, hassen den Gegner des Meisters schon deswegen, weit er Jude war und verachten dessen moralische Qualitäten, die sie einfach aus seinem Glaubensbekenntnisse herleiten. Wenn er sich sür die Erhaltung der Bücher der Juden erklärt, so thut er dies einesteils deshalb, weil seine und seines Meisters geschworene Gegner dagegen eifern, anderntheils deshalb, weil er das Recht freier ungestörter wissenschaftlicher Beschäftigung auch den Juden gewahrt wissen will, endlich weil er diese Schriften, obwol er sie nicht versteht, als Quellen tiefer und geheimer Weisheit verehrt^). Zwei seiner Freunde, Urban und Herebord v. d. Marthen, stehen mit Juden in Beziehung, der erstere hat einen jüdischen Hausgenossen, einen Chaldäer, einen „weisen Mann", bei welchem er, zum Schrecken des Freundes, Astrologie studiren will, der letztere einen jüdischen Diener; beide Juden erscheinen Mutian als Personen, vor denen Vgl. die vor. S. A. 1 genannten Arbeiten. 2) Ueber Mutians Religion vgl. m. Ren. u. Hum. S. 434 fg., Strauß, Hutten 2. Aufl. S. 30 ff.. Kampschulte, Erfurt I, S. 84 ff. und den gleich zu nennenden Briefwechsel. 2) Die nachfolgende Stelle habe ich in Mutians Briefwechsel, hgg. von C. Krause, Cassel 1885 nicht finden können; sie steht bei Teichel, Lupxlern. oist. 6otn. 1703 psK. 57 kZ. Dp. I^XVIII. Itayue nuUas xreees sunt in (^nristiana reliZioue elariores, yuarn illae vetnstissimae, yna äie veneris sanotas pro nuiversis Aentidus eoolesia tunÄir, ns iis Huidem exolnsis, yni ex eonkesso sunt nostes, nt ornnes nomines, Huautum in nobis 63t, äiviuis verbis eonvovernus. I^onKe deuiZniores ^näaeis, yni no viarn yniäeni aderrautidus nisi suis aut kontern sitientidus monstrant. Hnoruin ynanta sit vesoio impuäentia, 6iearn an inseitia, ex eo pstet: Huod 6Ieant enristi corpus o sepnloro a 6iseivulis snotraotum iuter trutiees et nerdas tuisse eonäiturn, tauäern missis exploratoridus proenratione pudliea rspertum. Für das Letztere die sehr merkwürdige Stelle im Briefw. e6. Krause S. 194 Nr. 146; über die Stellung Mutians im Reuchlinschen Streite vgl. Mg. d. Biogr. XXIII, 108 fg. und m. Reuchlin bes. S. 349 ff. Ich beharre übrigens bei der Auffassung der am letzterwähnten Orte angeführten Stelle als eines nicht rühmlichen Zeichens von Mutians Charakterschwäche und kann in derselben nicht, wie man wol gewollt hat, Ironie sehn.

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