Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1888
- Issue
- Heft 3
- Article
- Die Juden und die deutsche Literatur
- Date
- 1888-01-01
- Page
- Seite 330 (sequence 34)
- Language
- German
- Belongs to
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330 Ludwig Geiger, Die Juden und die deutsche Literatur. die Unwissenheit, Blindheit und Schristfälschung der Juden und hält siegessicher wie er immer war, seinen Triumph für gewiß: „Ich wills aber darbey bleiben lassen: es reg sich dann ein Jud oder Judenvater, so will ich sie entpfahn nach notturft." Nachdem Luther sein gewaltiges Wort gesprochen, war man eigentlich in Deutschland mit der Judenfrage fertig und alles Spätere klingt nur wie ein kleiner Nachtrag. Nur einzelnes Bemerkenswerthe sei noch hervorgehoben. Zunächst der Hinweis darauf, daß die bei den Fürsten damals allmächtigen Theologen in dieser eminent praktischen und für den Geldbeutel des Fürsten so hochwichtigen Frage der Judenausnahme oder Judenduldung gefragt wurden. Ein solches Beispiel ist bekannt und zwar von Martin Butzer, der, von Luther ausgehend, später das Lutherthum ebenso rücksichtslos angriff, wie das beiden entgegenstehende Papstthum Die von Butzer und seinen Freunden gegebenen Rathschläge sind die denkbar schärfsten: der Talmud solle den Juden genommen, der Bau neuer Synagogen verboten, das Disputiren außer mit den dazu verordneten christlichen Predigern ihnen untersagt werden. Sie sollten mit Weib und Kindern angehalten werden, christliche Predigten zu besuchen, und gezwungen werden, nachdem ihnen Wucher, aber auch jedes Handelsgeschäft völlig entzogen worden, die niedrigsten Handwerke und Hantirungen zu treiben 2). Sodann wurde es nach Luther noch allgemeinere Sitte als vorher, die Gegner als Juden, Judenfreunde (juäai- 2autes) zu bezeichnen. Mit diesem Ausdrucke nannte man die Sectirer, die von dem rechten Glauben Abweichenden ^); und als das Aergste galt es, daß man einen Gegner einfach aus der christlichen Gemeinschaft ausstieß, indem man aufbrachte, er sei ein getaufter Jude, wie es Luther fälschlich von Hieronymus Aleander behauptete^). Butzer als Judenfeind wird auch von Joselmann in seinem Tagebuch (vgl. oben S. 312) erwähnt. Er erzählt, wie er 1536 in Gegenwart des Kurfürsten von Sachsen Luchers und Butzers Behauptungen zurückzuweisen versucht habe und mit Wohlwollen angehört worden sei. 2) Von den Juden. Ob vnd wie die vnder den Christen zu halten sind, ein Rathschlag, durch die gelerten am Ende des Büchleins verzeichnet, zugericht. Item. Eine weitere Erklärung vnd Beschirmung desselbigen Rathschlags. Durch Martin Butzer. Datum zu Straßburg 10. Mai 1539. 17 Bll. in 4<>. (Andere Ausgabe Straßb. 1562 40 Bll. kl. 8". (Erwähnt ist der Butzersche Rathschlag auch Hebr. Bibl. VIII, 84, sein Inhalt angegeben bei Nigrinus, Judenfeind S. 215 fg.) Der erste Theil der Schrift ist wahrscheinlich zuerst in Cassel erschienen, wo er von folgenden Theologen ausgearbeitet wurde: Martin Butzer, Joh. Kymeus, Dionysius Melander, Joh. Lenyngus, Justus Winther, Joh. Pistorius Niddanus, Caspar Kauffungen u. d. T.: Rathschlag ob christlicher Oberkail gebären müge, das sye, die Juoeu vndter den Christen zu wonen gedulden, und wo sye zu gedulden, wölcher gestalt vnd maß. Durch die gelerten am Ende diß büchlins verzeichnet, zugericht Cassel 1539. 8 Bll. in 4". Vielleicht war es derselbe Joh. Pistorius oder ein späterer, gegen den der Verdacht des Judenthums laut wurde. In einem Spottgedicht auf einen Träger dieses Namens (1590) heißt es nämlich: Noch zween Glauben die sindt dahinden. Den Alcoran und Dalmut, die würst auch finden, Doch den Dalmut hast schon ergriffen. Da du von Marburg wardst nid Marggrafschaft gliffen. Mone, Quellensammlung z. bad. Landesgesch. III, S. 165. 3) Vgl. unten Excurs HI. Wie schwer Aleander — übrigens kein Deutscher — einen solchen Voiwurf