Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1888
- Issue
- Heft 3
- Article
- Die Juden und die deutsche Literatur
- Date
- 1888-01-01
- Page
- Seite 328 (sequence 32)
- Language
- German
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328 Ludwig Geiger, Die Juden und die deutsche Literatur. Daß die Reformatoren, speziell die Wittenberger, die sich in Glaubensdingen unbedingt an Luther anschlössen, auch Gesinnungsgenossen seiner Anschauungen gegen die Juden waren, bedarf nicht erst des Nachweises. Wie weit speziell in Wittenberg die durch Luther sanctionirte Feindschaft gegen die Juden ging, zeigt ein Hebr. Bibl. VIII, 83 A. beschriebenes Flugblatt, Wittenberg 1596. Es enthält heftige Verse gegen die Juden und ein chnisches Bild, das die Juden in widerlichster Umgebung darstellt. So wenig Gemeinsames sich sonst zwischen Luther und seinem lautpolternden Widersacher Joh. Eck ausfinden läßt, — die Abneigung gegen die Juden war ihnen gemeinsam. Ja es scheint sogar, daß Beider heftige Angriffsschristen durch eine und dieselbe den Juden günstige Schrift hervorgerufen worden ist ^). Diese Schrift ist bisher nicht bekannt geworden^): ihr Inhalt wird uns nur verstümmelt in Ecks Erwiderung mitgetheilt ^). Er nennt als Verfasser jener Schrift den bekannten vielseitigen lutherischen Theologen Andreas Oslander, welcher, trotz mannigfacher religiöser Übereinstimmung, von Luther und den Seinen immer mit einer Art Mißtrauen betrachtet wurde und kann es jenem „PrädikanLen Hosanderle" nicht verzeihen, daß er die Juden gegen die unbillige Anschuldigung der Christentödtung iu Schutz genommen und das Unerwiesne ja das Unmögliche dieser Anklage hervorgehoben hatte. Ihm dagegen sind alle derartigen Anklagen erwiesen. Die Beweise für dieselben findet er theils in den Geständnissen der Bezichtigten und er wird daher von ganz besonderm Zorn wider seinen Gegner erfüllt, weil dieser die auf der Folter erpreßten Geständnisse ziemlich deutlich als unglaubwürdig hingestellt habe; theils in den Zeugnissen getaufter Juden, auf welche er, im Gegensatze zu seinem Widersacher, das größte Gewicht legt; theils in neu erschienenen Büchern, z. B. der mit ihrem Talmud, das ist ihrer Auslegung, der sagte nichts von Christo, und derselbigen Auslegung müßten sie folgen." (Luther Ausl. Jer. 35, 5—8, Walch 6, 1393 fg.) Die zweite Stelle lautet: „Ich habe von den gelehrtesten Juden gehöret, welche, da sie von mir durch klare Sprüche der Schrift überzeuget waren, hartnäckig sagten : Sie wollten bey ihren Rabbinen bleiben." (Luther Ausl. Ies. 28, 13. Walch 6, 538.) Daher findet sich bei Luther ein furchtbarer Haß gegen Alles, was Talmud und Rabbinen heißt. In der Schrift „Von den Juden und ihren Lügen" kommt einmal folgender charakteristischer Satz vor: „Ja, ich halte, daß in drey Fabeln Esopi, im halben Catone, in etlichen Comödien Terentii mehr Weisheit und Lehre von guten Werken stehe, denn in aller Talmudisten und Rabbinen Bücher sunden werde, und in aller Juden Herz fallen möge." ') S. Excurs II. 2) Auch erneute Nachforschungen haben bisher nur ein negatives Resultat ergeben. Es wäre von der höchsten Wichtigkeit diese Schrift zu finden; vielleicht ist der Vorsteher einer der bairischen Bibliotheken so glücklich den Schatz zu heben. Ihren Inhalt aus der Eckschen Schrift zu reconstruiren, versuche ich deshalb nicht, weil Eck in seiner überaus heftigen Polemik es mit der Wahrheit nicht genau nimmt und seinen Widersacher gewiß Dinge sagen läßt, die dieser entweder nicht in der von Eck angeführten Art und Weise oder überhaupt nicht gesagt hat. 3) Ains Iudenbüechlins Verlegung, darin ain Christ gantzer Christenhait zu schmach, will es geschehe den Juden vnrecht in bezichtigung der Christen kindermordt. Durch Doctor Joh. Ecken zu Ingolstadt. Hierin finost auch vil histori, was Übels vnd büeberei die Juden in allem teütschen land, vnd andern ko'nigreichen gestift haben. Gedruckt zu Ingolstadt durch Alexander Weissenhorn. 1541. A bis Z, und a ü. 4 Bll. in 4°.