Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1888
- Issue
- Heft 3
- Article
- Die Juden und die deutsche Literatur
- Date
- 1888-01-01
- Page
- Seite 325 (sequence 29)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2259275-2259334-2259338-2259479--0812-2259611- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Ludwig Geiger, Die Juden und die deutsche Literatur. 325 Werk ist zusammengesetzt aus drei mehr oder weniger getrennten Bestandtheilen: einer Darlegung des jüdischen Glaubens, Mittheilung ihrer Gebete in deutscher Übersetzung und Beschreibung ihrer Ceremomen, Feste, Fasttage, Vorschriften beim Essen; einer Anzeige ihres wucherischen Treibens, ihrer Christenfeindschaft und ihres vermeintlichen Hasses gegen die Obrigkeit und endlich einer Widerlegung ihrer Messiashoffnungen. Wie weit seine positiven Mittheilungen richtig sind, vermag ich nicht zu controliren; seine Tendenz ist: die Ceremonieen als thöricht darzustellen; bei Erwähnung des Sühnehahns (am Vorabend des Versöhnungstages) mahnt er zum Glauben an Christus als Sühneopfer der Menschheit und bei Vorführung der Kohanim polemisirt er gegen die diesen gespendete Verehrung. Seine Tendenz ist: harmlose Wörter und Gebräuche als gegen die Christen gerichtet auszugeben; die jüdischen Aerzte als ungelehrte und unwissende, geldgierige Leute hinzustellen, die eigentlich nur das Schlächterhandwerk verstehen und die Christen verderben statt zu heilen. ^) Er eifert gegen den Wucher, gibt aber hier den Obrigkeiten, welche den Juden den Wucher gestatten, ebensoviel Schuld als den Juden und mahnt die Ersteren, die Letzteren zur Arbeit anzuhalten. Ganz besonders möchte er zeigen, daß die Juden trotz ihres äußerlichen Eifers gar nicht fromm, daß sie nicht mildthätig gegen ihre Armen und trotz ihrer scheinbaren Abneigung gegen Proselytenmacherei sehr darauf aus sind Anhänger ihres Glaubens zu werben. ^) Den Messiashoffnungen der Juden tritt er mit Anführung der dawider sprechenden jüdischen Zeugnisse entgegen. In seinen Vorschlägen ist er weit milder als seine Vorgänger: außer dem Verbot des Wuchers räth er keine Maßregel an, wohl aber gehört auch er zu denen, welche einen üblen Einfluß der Juden auf Fürsten und Richter constatiren und vor der Gefährlichkeit desselben warnen. Daß die Schriften dieser drei getauften Juden ziemliche Wirkung auf die Zeitgenossen hervorbrachten, läßt sich gar nicht bezweifeln. Wer möchte z. B. sagen, ob die obenerwähnten Verfolgungen nicht in gewissem Zusammenhang stehen mit der leidenschaftlichen Erregung, welche die ersten Brotkrumen in fließendes Wasser u. Aehnl., des Segens der Kohanim, der heiligen Lade. Eine Reproduetion des einen oder andern Holzschnittes würde sich sehr lohnen. Die Sittengeschichte könnte mancherlei daraus lernen. 5) Er betont: dies sei nur in Deutschland der Fall; in Italien gebe es gelehrte jüdische Aerzte (H 3 a). „Ich Hab zu Pavia gesehen, das man den gelerten dieser kunst einen armen menschen gäbe aufs zu schneiden und alle seyne innwendige gelider zu besichtigen, darüber ein Jud der Loerste doctor wäre und den andern alle sachen zeyget und leret." Auch sonst z. B. I 3a polemisirt er gegen die Nichtachtung der Bücher durch die Juden in Deutschland. 2) Auch hier nennt er (L 2) Namen und weist aus bestimmte Vorgänge hin. Ein Christ habe jetzt in Leipzig, in Gegenwart des Universitätsrectors Joh. Stramburgk beschworen, die Juden hätten ihn, unter Versprechen großer Geldsummen, bewegen wollen, sich beschneiden zu lassen. — L3dff. spricht er von inneren Gemeinde- Vorgängen in Regensburg, mit Hinweis aus seinen Vater, der „oberster Rabbi" in Regensburg gewesen. — O 4a erwähnt er seinen Bruder, der „ein guter Musicus bei den Juden" sei. — In einer Anmerkung R 2a spricht er von einer Wallfahrt der Juden nach Regensburg an das Grab eines dortigen Juden (sie). — V 3b behauptet er, die Juden bedienten sich vieler französischen Ausdrücke, so heiße Almemor z. B. „darauff man Memoria halt". (Bekanntlich salsch; s. Zunz,Gott. Vonr. S. 441).