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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1888-01-01 · Heft 3 · p. Seite 324

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1888
Issue
Heft 3
Article
Die Juden und die deutsche Literatur
Date
1888-01-01
Page
Seite 324 (sequence 28)
Language
German
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324 Ludwig Geiger, Die Juden und die deutsche Literatur. legung der Art, durch welche er zur Annahme des christlichen Glaubens bewogen worden, gibt er durchaus nicht, sondern erzählt nur kurz und nüchtern das Factum der Taufe. Statt einer psychologischen Darlegung, die wichtige Aufschlüsse bringen könnte (vgl. z.B. oben S. 217 ff.), theilter eine der damaligen so beliebten Disputationen mit, durch welche die Juden aus den Worten der Bibel ihres Jrrthums überführt werden sollten. Den Haupttheil seiner Schrift füllt er mit Auseinandersetzungen über die Hartnäckigkeit, Ruhmsucht, Uneinigkeit der Juden, ihre Feindschaft gegen die Christen, er redet über den Talmud, „der lange vor Christus' Geburt ein kleines Buch gewesen, nun aber größer als zwei Bibeln sei", und theilt mancherlei Märchen und abergläubische Vorstellungen aus demselben mit. Er gibt eine Beschreibung der jüdischen Feste und Gebete, vielerlei übertreibend und unschuldigen Gebräuchen einen falschen Sinn unterschiebend, er spricht von Ehevorschriften und außerehelichem Leben der Juden und hat es überhaupt gern mit den Frauen zu thun, denen er größere Sündhaftigkeit als den Männern zuschreibt und die Verantwortung für das Ausharren der Juden bei ihrem väterlichen Glauben zuschiebt. Demgemäß spielen auch die Frauen in einigen der von ihm erzählten Geschichten eine üble Rolle. Er berichtet z. B. von einer Frau, die ihr eigenes Kind getödtet, weil es mit christlichen Kindern gespielt und gern eine Kirche ausgesucht habe, aber auch von jüdischen Männern, die einen zum Christenthum übergetretenen Genossen, Namens Goman ermorden ließen. Nicht ganz so Schlimmes weiß er von einem Juden Saul aus Sobernheim zu erzählen, der seinem Amtmann Emmerich, dem er zu großem Dank verpflichtet gewesen, eine beträchtliche ihm anvertraute Summe zu Frankfurt veruntreut habe. Was an diesen Geschichten, die Victor von Karben miterlebt, oder von Zeugen erfahren zu haben behauptet, Wahres ist, läßt sich nicht ermitteln, der Erzähler glaubt daran, hält daher die Bedrückungen der Juden für verdient und ermahnt die Fürsten, die Juden zu verjagen. Der dritte getaufte Jude, der sich darin gefällt, seine ehemaligen Glaubensgenossen zu schmähen, ist Antonius Margarita. ^) Aber er ist doch kein bloßer Schreier und Schimpsredner wie die Vorgenannten. Sein nach Panzer, Annalen der deutschen Lit. S. 291 ff., Nr. 610. Ich kenne nur eine neue Ausgabe der Schrift, welche 1550 mit der unten S. 343 näher zu besprechenden Disputation über den Glauben zwischen Mich. Cromer, Pastor zu Cunitz, und dem Rabbiner Jakob von Brück erschien. Seine Schrift erschien zuerst lateinisch. Ich habe mir nur eine deutsche Ausgabe — auch diese, wenn ich den Titel richtig auffasse, nicht die erste—verschaffen können: „Der gantz Jüdisch , glaub mit sampt eyner gründlichen vnd warhafftigen anzaygunge alter satzungen, Ceremonien, gebetten, heymliche vnd öffentliche gebreuch, deren sich die Juden halten durch das gantz Jar, mit schönen vnd gegründten Argumenten wider jren glauben, durch Anthonium Margaritham, Hebreyschen Leser, der löblichen Universitet vnd Fürstlichen Stadt Leyptzigk beschryben vnd an tag gegeben." (Darunter ein Holzschnitt, eine Versammlung von Juden darstellend, von denen der in der Mitte stehende ein dickes Buch unter dem Arm trägt. Einzelne Köpfe sind sehr hübsch ausgeführt.) Durch jn selbst gemehrt vnd gebessert NOXXXI, A bis Z, a bis d a 4 Bll. in 4<>. A. E.: „Außgangen im Zehenden Jar meiner wider gepurt, welche zu Wasserburg geschehen." Auch im Texte sind einige Holzschnitte: Darstellung des Schofarblasens, des Kapvorahschlagens, des Wersens der

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