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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1888-01-01 · Heft 3 · p. Seite 322

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1888
Issue
Heft 3
Article
Die Juden und die deutsche Literatur
Date
1888-01-01
Page
Seite 322 (sequence 26)
Language
German
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322 Ludwig Geiger, Die Juden und die deutsche Literatur. welche man selbst herbeigerufen und ersehnt hatte. Dankbarkeit schlägt nicht selten in Ungerechtigkeit um. Die Pfefferkornschen Bemühungen sind berühmter geworden, als sie nach der Geistesanlage und Absichten ihres Urhebers verdienten, dadurch, daß sie die mittelbare Veranlassung gaben zu dem gewaltigen Streite zwischen Reuchlin und den Dunkelmännern, der ein wichtiges Moment in der Geschichte des deutschen Humanismus, der deutschen Geistesgeschichte überhaupt, bildet. ^) Schon Pfefferkorns erste Schrift: „der Judenspiegel" 1507 stellt das Programm auf, das sich in seinen späteren Schriften immer mehr verschärfte: Wegnahme der Bücher der Juden, Verbot des Wuchers, ferner der auf sie zu übende Zwang, christliche Predigten zu besuchen. Schon in dieser Schrift gibt er den Juden erbitterte Feindschaft gegen das Christenthum schuld, leugnet aber ihre ernste und innerliche Anhänglichkeit an ihren angestammten Glauben. Wollte Pfefferkorn die Durchführung seines Programms durch die Obrigkeit erreichen, so mußte er diese und seine nunmehrigen Glaubensgenossen überhaupt von der Lächerlichkeit und Verderblichkeit der jüdischen Anschauungen und Gebräuche und von der Christenseindschaft der Juden überzeugen. Das erstere versuchte er in der „Judenbeichte" 1508 und im „Osternbuch" 1508; das letztere im „Judenfeind" 1509. Die beiden erfteren Schriften sollen die Thorheit der an den großen jüdischen Herbst¬ und Osterfeiertagen gebräuchlichen Ceremonien zeigen, die nur dann einen Sinn hätten, wenn sie „geistlich" gedeutet würden, weil sie dann mit christlichen Lehren harmonirten. Die letztere sucht die Christenfeindschaft der Juden zu erweisen aus ihrer täglich erneuten Verspottung Christi und der Christen, aus ihrem Wucher, aus ihrer zum Schaden ihrer Mitmenschen geübten Beschäftigung mit der Arzneikunst. Vom Kaiser erhielt Pfefferkorn (August 1509) den Befehl, die Bücher der Juden zu confisciren, schritt zu dessen Ausführung, wurde aber bald an der Befriedigung seiner Confiscationsgelüste durch Uriel von Gemmingen, den Erzbischof von Mainz, gehindert, der nun (November 1509) seinerseits die Leitung der ganzen Angelegenheit vom Kaiser übertragen erhielt. Um trotz dieses ersten Mißerfolges den Kaiser und alle Stände des Reichs für sich zu gewinnen, veröffentlichte Pfefferkorn eine Schrift und ließ handschristlich eine andre mrsiren. Die erstere: „In lob vnd eer dem allerdurchleuchtigsten Maximilian" ist dazu bestimmt, den Kaiser bei dem begonnenen Unternehmen festzuhalten und in der Ausführung zu stärken, alle Gründe, die man zu Gunsten der Juden anführen könnte, zu entkräften und die Vorwürfe zurückzuweisen, die man etwa gegen seine, Pfefferkorns Persönlichkeit, erheben möchte. Die letztere, ein „Ausschreiben an alle Geistliche und Weltliche", gleichfalls eine Ermunterung zur Fortsetzung des löblichen Werkes, war besonders für die auf dem Augsburger Reichstag versammelten Fürsten und Herren bestimmt >) Vgl. die ausführliche Darstellung in Zeitschr. 1,160—176, 230—248. Sodann meinen Artikel: Pfefferkorn in der Allg. d. Biogr., Bd. XXV, 621—624 (wo die fernere Literatur angeführt ist) aus dem ich das Folgende theilweise entlehnt habe.

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