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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1888-01-01 · Heft 3 · p. Seite 319

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1888
Issue
Heft 3
Article
Die Juden und die deutsche Literatur
Date
1888-01-01
Page
Seite 319 (sequence 23)
Language
German
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Ludwig Geiger, Die Juden und die deutsche Literatur. 319 seine Zusammenstellung hat nicht den Werth einer eigenen Arbeit und innerhalb der einzelnen Angaben kaum einen selbständigen Zusatz. Nur den beiden Theilen läßt Franck je eine Schlußrede folgen, den Verboten eine, in welcher er die vielen Menschensatzungen beklagt, durch welche das Gebot Gottes vermehrt und verunstaltet sei, den Geboten eine, welche in längerer Ausführung lehrt, daß das Gesetz Moses von den Christen nur geistlich zu verstehen, nicht nach dem Buchstaben zu deuten sei, damit sie in der Freiheit bestehen und nicht Juden werden. Joachim Vadian hat, wie das bei einem Schweizer Historiker nicht eben wunderbar ist, von den Juden nur selten zu sprechen. Einigemale aber erwähnt er in seinen deutschen historischen Schriften, besonders in der großen Chronik der Aebte von St. Gallen einzelne allgemeine und spezielle schweizerische Vorkommnisse: die 1349 ausgesprengte Anschuldigung, die Juden wollten alle Christen vergiften, den Trientiner Kindermord, die Verbrennung der Juden in verschiedenen schweizerischen Städten (Ende des 13. Jahrhunderts). Er spricht sich dabei nicht über Recht und Unrecht aus, sondern registrirt kurz die Facta. Bei zwei Gelegenheiten aber fällt er ein Urtheil, weniger für die Juden als gegen die katholischen Priester. Das eine Mal erzählt er eine sehr merkwürdige Geschichte von einem Juden Schmoll in Wik, und setzt als Schluß hinzu: „dann wie vil und größlich dieser abt Schmoll juden mit unzimlichen und ungotlichen griffen übertroffen Hab, ist alhie zu melden nit not und findt sich in etlichen taten doben gemeldt, besonder in den zugelibten Pfarren, welcher roub und simoni über allen judenwucher ist". An der andern Stelle berichtet er, daß Geistliche einen Kelch an Juden verkaufen und da diese nicht die geforderte Summe für den ganzen gewähren wollen, denselben in Stücke brechen und diese einzeln verwerthen. Die Erzählung solchen Thuns entlockt dem Historiker den scheltenden Ausruf: „Zu solchem schimpff mußtend frommer leuten gaben dienen und wollt es der convent also haben, darum es nichts wol angelegt ist, wann man solchen leuten vil um gotes willen darstreckt, die vorhin mer haben dan in not ist oder von rechtswegen besitzend mögend". Der dritte hier zu erwähnende deutsche Historiker des 16. Jahrhunderts, dem Range und der geistigen Bedeutung nach vielleicht der erste, ist Joh. Aventin.5) Da er in seinen umfangreichen Geschichtswerken einen großen Zeitraum durchläuft, so muß er weit häufiger, als Vadian dies zu thun hat, von den Juden sprechen, aber die meisten Stellen, an denen er dies thut, sind belanglos, weil die Thatsachen, die er berichtet, bekannt und die Betrachtungen, die er daran knüpft, unbedeutend sind.") t) Joach. Vadians deutsche historische Schriften, hgg. von E. Götzinger, 2 Bände, St. Gallen 1875 und 1877. Sämmrliche Stellen verzeichnet das Register. Im Folgenden sind benutzt I, 348, 390, 447, II, 243, 346. 2) Im Text steht „noch", was aber keinen rechten Sinn gibt. 3) Ich citire nach der schönen Ausgabe: Johannes Turmairs, genannt Aventin, sämmrliche Werke, hgg. von der k. Akademie der Wissenschaften, München 1877—1885, 5. Band. 4) Die im Folgenden angedeuteten und behandelten Stellen sind II, 184, 206, III, 206, 346, 374, 437 ff.

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