Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1888
- Issue
- Heft 3
- Article
- Die Juden und die deutsche Literatur
- Date
- 1888-01-01
- Page
- Seite 318 (sequence 22)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/2259275-2259334-2259338-2259479--0805-2259604- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
318 Ludwig Geiger, Die Juden und die deutsche Literatur. an dieser Stelle nicht zu geben; für Aventin, einen tüchtigen, vielseitigen Humanisten, eigenartigen deutschen Autor und einen Mann von hervorragender geistiger Stellung, sei auf mein Werk: Renaissance und Humanismus, Berlin 1882, S. 489 ff.; für Seb. Franck nur der Kürze halber auf Allg. d. Biogr. VII, 214—219 verwiesen. Seb. Franck gedenkt in seiner „Chronika, Zeitbuch und Geschichtsbibel" 1531 häufig der Juden. Er ist ein freier Geist, der seiner Ueberzeugung wegen vielfache Verfolgungen erdulden mußte und der mit mannhafter Entschiedenheit für freie Gesinnung und für das unbehinderte Recht eintritt, seine Ueberzeugung auszusprechen. Sehr lehrreich ist in dieser Hinsicht ein Capitel^), in welchem die Duldung, welche die Heiden der neuerstehenden christlichen Secte bewiesen, der Unduldsamkeit gegenübergestellt wird, mit welcher die herrschende christliche Richtung die entgegenstehende behandelt. Trotzdem hat er für die Leiden und Ueberzeugungstreue der Juden kaum ein anerkennendes oder mitleidiges Wort. Er erzählt ihre Verfolgungen, ohne die Grundlosigkeit der Anklagen und die Grausamkeit der Verfolger hervorzuheben oder zu brandmarken. So erwähnt er^) die Trienter Beschuldigung, und meint, die Thäter hätten „ihres Taglohns würdige Belohnung" erhalten, er erwähnt kurz die Verbrennung Pfefferkorns, die Sternberger Sacramentsschändung und die Regensburger Vertreibung. Bei der Schilderung der beiden letzten Ereignisse spricht der Protestant, der Antikatholik, der Leugner der Wunder. „Man soll auch", so meint er bei dem ersten, „die narben also blutig im Sacrament gefunden haben". Bei dem zweiten erklärt er sich, nach einer höchst lebhaften Schilderung der Wallfahrten und der bei Gelegenheit derselben erzählten und geglaubten Wunder, mit voller Entschiedenheit gegen beide und berichtet am Schlüsse mit guter Ironie, daß die „schöne Maria" nach einigen Jahren aufgehört habe zu leuchten und Wunder zu thun. In diesem Zusammenhang muß wenigstens auf eine die Juden speziell angehende Veröffentlichung Sebastian Francks hingewiesen werden: eine Zusammenstellung der 613 Ge- und Verbote. ^) Aus welcher Quelle Franck schöpft, vermag ich nicht anzugeben; „Redlichkeit und senfftmütigkeit der Heiden gegen den Christen" (Chronica 1531, Bl. OXXXI ff.). Es ist nicht überflüssig, eine Stelle dieser kraftvollen Ausführungen im Originaltext hierher zu setzen: ,.wa thond es yetz Christen gegen Christen, yetz schleyfft man einen gerad für gerickt, der nun etwa den mund auff hat thon unnd an einem artickel der kirchen etwas zweiflend sich mercken lassen, jha nun umb ein taubendreck. Wann sich einer yetz nicht in allen stucken underschreibt, unnd in allen dingen (sey wa er woll) vergleicht mit der kirchen, da er ist, da hat er weniger ruw und freyheit zu glauben und reden, dann so er unter den Heyden und Türcken were, wie wir in Aposteln sehen, die haben öffentlich Key den Heyden vil jar wider die Heyden und Juden gepredigt und seindt so lang Hinkummen, nun mit im dahin, er ist aufsrürisch, sein leer dienet zur aufsrür, er zerrüttet die eynigkeyt der kirchen". -) Chronica Fol. 210b, 212s, 224s, 224d ff. 5) Sechshundert dreyzehen Gebot und Berpot der Juden. Von derselben Rabi auß dem Grossen Propheten Mose zusamen zogen mit einer gar kurtzen außlegung der Hebreyschen Rabin, mit welch anhang vnd zusatz sy die gebot Gottes haben zenicht gemacht, wie sie diß Christus beschuldiget vnd von jn zeugt vnd clagt. Matth. 15, Marc. 7. (Folgen diese und einige andre Verse des Alten und N. T.) Getruckt vnd ins Deutsch Pracht zu Ulm durch Sebastian Francken im 1537 Jar.