Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1888
- Issue
- Heft 3
- Article
- Die Juden und die deutsche Literatur
- Date
- 1888-01-01
- Page
- Seite 310 (sequence 14)
- Language
- German
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310 Ludwig Geiger, Die Juden und die deutsche Literatur. verfaßt — ist den mecklenburgischen Fürsten Heinrich und Albert gewidmet. Als Grund dafür, daß er zur Feder gegriffen, giebt er an, daß bisher noch kein eerw3 autor die Sache dargestellt habe. Daß der Verfasser Gelehrter und Humanist ist, verläugnet er keinen Augenblick. Gelegentlich erwähnt er die antiken Götter oder braucht für Gott Ausdrücke wie oxitex muiiäi, er giebt einen langen Excurs über biblische Geschichte, merkt dann freilich die Abschweifung; er schreibt ein elegantes Latein und bemüht sich, seine Kenntniß zu zeigen, etwa in Sätzen wie dem folgenden: I^okiiuedurii l?1iviu3 voeat Mam latervam vos. Er haßt die Juden aufs Grimmigste und ist unerschöpflich in Erfindung neuer oder Zusammenstellung alter Schmähworte^). Nur die That interessirt ihn, nicht der Proceß. Ueber diesen geht er ziemlich kurz hinweg, bei der Schilderung jener verweilt er ausführlich. Von dem literarischen Standpunkt aus ist seine Darstellung bemerkenswerth: sie ist dramatisch belebt; gegen das rohe Deutsch der Volksbücher jener Zeit sticht diese gebildete Ausdrucksweise merkwürdig ab. Der Verfasser bemüht sich, besonders zwei Personen zu charakterisiren: den unwissenden, geilen, schlemmerischen Priester Petrus Davus und den Juden Eleazar, der durchaus gewinnsüchtig und von blindem Haß gegen die Christen erfüllt, dem Jener verschuldet ist und dem er, auf Anreizung des Juden, die Hostie verkauft (er erhält dafür 4 Lübecker Solidi — 16 rheinischen Goldgulden^). Ungemein dramatisch stellt er Hostie zu durchstechen: das Blut fließt aus derselben. 4. Verbrennung der Uebelthäter. Es würde sich lohnen, diesen für Kunst- und Kulturgeschichte wichtigen Holzschnitt zu reproduciren; er ist viel bedeutsamer als die Holzschnitte der Berliner Schrift, die in der unten S. 312 A. 2 genannten Publication freilich schlecht genug wiederholt find. Auf der Rückseite des Titelblattes folgt erst der Titel der Schrift: Res a ^uäaeis perüäissirois in moute Ltellarura Zesta act illustres prineipes Liurieum et ^Idertum Zermauos 6uees AleSaxoleuses iuelvtos ad e^reZio viro Rioolso lVlarsealeo Inurio 1^. et Oauouum dootore uuper verissime seripta oditerHue miraeula iucZe taota et perLdia <su6aeorum maxiraa. — Das mir vorliegende Exemplar hat 20 Bl. in 4". Daß die Schrift aus dem Jahre 1512 ist — in einem vollständigen Ex. die Schlußbemerkung: priäie eal. ^uZ. 1512 — geht aus den Anfangsworten hervor: ^nvus aZirur ferme viKesimus. Das Crasseste ist wohl der Ausruf: 0 servile peeus <luäaei, Zevus mortalium impurissimum, aZv omiriibns mille ll iZnissimi. Nee euim pro merito satis czuad orunis vos aetas Laddatarios ^pellas, Reoutitos, Verpos, Oistikeros ut alia omittantur, diotitarit, mortalium omuium stulrissimi. 2) Der Autor schildert, wie der Priester heimlich zum Juden schleicht vitaduudus yuum ante retroc^ue beue eirevmspeetasset et uemiueiu adesse sensisset. Nachdem er die Uebergabe mitgetheilt, bricht er in die Worte aus, die hier als eine Probe der überaus seltenen Schrift abgedruckt sein mögen: Huis roZo est o^ui mirari satis salvatoris vostri devi^uitatem tarn eximiam o^ueat? Hui ssrael ao turpissimo o^uidem mortis Zeuere iuter erueiatus iusaudos patris optimi rnsximi jussu volevs pro nodis passus, soiens, ut est seoretorum omviurn ovAuitor oertissimus, a saeerdote kaoinus impiissimum Huoä kaetnrus erat soieute ae iuöÜAuissimo von est decliZnatus verdis o^uae suis in eoeua suprema prodiäit eaeterum eum euaraetere uumivis saero de reZuis ultrarnundanis in mvsteriornin sdvta devoeari, lovZe minore se preeio c^uam <zuum in speoie mortalitatis ordern terrarum ol) uostraru omnium o^uoudam iuerraret salnteru iterum veuuvcZari dirisl^ue iterum maleäiotis exeorari, stimulis erndelissimis lauoiuari oouvivio^us uuptiali Aen^is inimieae spuroissimo riäieularium esse. () äi's'uitatein saeerdotum amplissimam et oräiuem eoruru sanete veuerauäum en^jus si potestatern exti-