Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1888
- Issue
- Heft 3
- Article
- Die Juden und die deutsche Literatur
- Date
- 1888-01-01
- Page
- Seite 304 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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A04 Ludwig Geiger, Die Juden und die deutsche Literawr. von Anderen versucht werden. Mein Zweck ist, die Thatsachen klar und ohne Voreingenommenheit darzulegen. Ich überlasse gern denen, die den Beruf als Geschichtsschreiber der Juden gepachtet zu haben wähnen, den wohlfeilen Ruhm mit Ausdrücken der Entrüstung um sich zu werfen, wahrhaft große Männer zu begeifern, weil sie sich in Wort und That kleinlich gegen die Juden gezeigt und mit höhnischem Tone von der Nation zu sprechen, welche, im Begriff, sich selbst staatliche und geistige Unabhängigkeit zu erwerben, eifersüchtig auf ihre Reinheit und Unabhängigkeit bedacht, alle fremden Elemente grausam von sich stieß. Ich bin der Ueberzeugung, daß solche Strasredner wohl ein Zeugniß von ihrer Gläubigkeit und ihrer leidenschaftlichen Parteilichkeit ablegen aber nicht von geschichtlicher Wahrheitsliebe und Gerechtigkeit. Nur letztere zu erwerben ist mein Beruf. 3. Zu „Goethe und die Juden". Die in dieser Zeitschrift Bd. I, S. 321-365 veröffentlichte Abhandlung hat mir eine Anzahl belehrender Zuschriften verschafft^) und hat durch eignes erneutes Studium des Gegenstandes mannigfache Bereicherung erfahren. Da ich einen Neudruck des Aufsatzes zunächst nicht beabsichtige, so sei es gestattet, einzelne Nachträge an dieser Stelle mitzutheilen. Zu Goethes persönlichen Bekannten jüdischen Glaubens ist Joel nachzutragen, der als Tischgenosse bei dem Fürsten Lichnowskh erwähnt wird (Riemer, Jahrbücher, Deutsche Revue 1887, Juli, S. 64, das. Okt. 1887 S. 42 ff. werden Frau von Ehbenberg und Grotthus »gl. Zeitschrift I, S. 326 ff.^j als besondere Freundinnen genannt.) In den Auszügen aus Goethe's Tagebuch, die Erich Schmidt (Goethe's Faust in urspr. Gestalt, Weimar 1887) veröffentlicht hat, wird (S. 95 aus d. I. 1808) einer Faust-Vorlesung bei Frau v. Ehbenberg gedacht. Ueberhaupt brachten die Reisen nach den böhmischen Bädern Goethe in vielfache Beziehungen zu österreichischen, speziell Wiener Juden und Jüdinnen; unter den letzteren mögen wenigstens Fanny Arnstein-Eskeles und Henriette Pereira, zwei geborene Berlinerinnen hervorgehoben werden. Die lebhafte Theilnahme der Ersteren an Goethe wird durch die jüngst veröffentlichten (zuerst in der „N. Fr. Pr.", daraus im G. I. Bd. IX, S. 352 fg.) Briese der Lea Mendelssohn - Bartholdh an die Wiener Freundin bezeugt, in welchen die hochgebildete, auf ihren Sohn Felix mit Recht stolze Mutter Bericht über ihren Aufenthalt in Weimar abstattet und eine rührende Klage über den Tod Zelters anstimmt, der seinem Freunde und Meister rasch ins Grab folgte. Einer der früher (Zeitschrift I, S. 326) genannten Oesterreicher v. Lämmel hat seinem Biographen L. A. Frankl die folgende Unterredung mitgetheilt, die er mit Goethe gehabt haben will. Für die Authentie, weder was die Worte, noch was die Gesinnung betrifft, vermag ich nicht einzustehen; sie mag trotzdem aus der „Heimath" 1882, Nr. 48, wo sie ursprünglich abgedruckt war, hier wiederholt werden. Sie lautet: Besonders dankenswerth waren die Mitteilungen von D. Jakoby und G. Karpeles.