Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1888
- Issue
- Heft 3
- Article
- Ueber eine Sammlung deutscher Volks- und Gesellschaftslieder in hebräischen Lettern
- Date
- 1888-01-01
- Page
- Seite 277 (sequence 46)
- Language
- German
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Volks- und GesellschaftSlieder in hebräischen Lettern. 277 Zona sagt: Ach, mein lieber torwächter, sag mir doch, wie weit Hab ich vom tor nach dem ringelsplon. (B 6 a) (Torwächter) Als ich dir die warheit sagen soll, drei tagrets must du han. (B 6 a) Melech ^) kumt und sagt: Nun bin ich ein kinig genant und regier leut unv land. (C 6 a) das sprichwort get: wie der kinig ist, alsu sind 2) die Untertanen. (C 6 d) nun will ich ablegen mein zepter und mein krön und will mich demütigen zu der erde legen ton. (D l d) villeicht möcht sich gott derbarmen über uns und über unser Untertan und armen. Malach ^) saget im das: Gott der allmechtig erhöret hat, Herr künig vun Ninive, ste uf diser fart. (D 2 k) Melech sagt: Ach gott, mein gott, das ich also ein botschast an dich erwerbt hon. Damit schließt das Stück, das seiner skizzenhaft andeutenden Manier zu Liebe das 4te Cap. des B. Jona als einer dramatischen Behandlung unfähig wegließ. Die Dramen, die sich in der jüdisch-deutschen Litteratur finden, sind zum größten Teil für das Purimsest gedichtet und an diesem Tage auch aufgeführt worden. Es kommt in ihnen meist eine Lustigkeit zum Ausdruck, die sich in den tollsten Sprüngen behagt und ein durchaus getreues Gegenbild in den deutschen Fastnachtspielen hat.*) Auch sonst kann man leicht verfolgen, wie die Sitten und Gebräuche der christlichen Fastnacht Eingang bei den Juden finden und von ihnen am Purimfeste nachgeahmt wurden, da der litterarische Ausdruck, den jene Gewohnheiten angenommen Ey, so hebt euch weg, ir bösen kind, oder ich will euch das maul zerbern und eurem gspött mit prüglen wern. König, y Ms. ist. 3) Engel. In der Vorlage spricht Gott selbst zum König; dies hielt unser Sammler wahrscheinlich für unpassend. 4) Der Stöfs der Purimspiele wurde meist dem Buche Esther zuweilen auch der Goliathgeschichte entlehnt. (Eine große Zahl dieser Stücke in der Bodleiana und im Brit. Mus.) Aus der Leipziger Stadtbibliothek ist mir ein „senon neu spll" aus d. I. 1697 bekannt (früher im Besitz Wagenseils), das ganz in der Weise der deutschen Fastnachtspiele beginnt: Ein Vorläufer wünscht den Zuhörern viel Glück und kündigt das Erscheinen des Königs an: Ihr werdet schauen, wie ein Künig werd kumen einher, Künig Ahasveros ist er genant, hundert und siebenundzwanzig Länder hat er in seiner Hand :c.