Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1888
- Issue
- Heft 3
- Article
- Ueber eine Sammlung deutscher Volks- und Gesellschaftslieder in hebräischen Lettern
- Date
- 1888-01-01
- Page
- Seite 268 (sequence 37)
- Language
- German
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268 Felix Rosenberg, Ueber eine Sammlung deutscher 23. Amen, und das es werd war! dem pauern ein früchpors jar, dem bürger tausend gülden bar, das sie zu mark können laufen, nach irer notdurst ^) einkaufen? Schon Frauenlob 2) und Meister Regenbogen^) behandeln einen ähnlichen Stoff aber in anderer Form. Beide stellen MSs, ritter und düwau als Vertreter des Lehr- Wehr- und Nährstandes einander gegenüber und mahnen sie, nur ihrem Berufe nachzuleben und ihre Pflichten gegen einander zu erfüllen. — Ein Jahrhundert später finden wir auch schon dieselbe Form vor: ein Kampflied zwischen Ritter und Bauer in strophischer Rede und Gegenrede. In dem Uhlcmd'schen Text (Vl. Nr. 133) schließt es zu Gunsten des Bauern: „darumb so laß mich haben tail der deiner eren sold", während in einer andern Fassung ^) der Edelmann das letzte Wort behält. — Noch ein Jahrhundert später, in das sechszehnte, fällt unser Lied; wie im staatlichen Leben an die Stelle des Ritters der Bürger getreten ist, so auch im Liede. — Das ungebundene Leben des 30 jähr. Krieges rückt den Landsknecht in den Vordergrund, und so bekommt auch diese Zeit ihr Kampfgespräch: „kur^eiliTZ I^ieä uuä Streit 2ni8ek6u einem La^en uuä I^anäskneelit". ^) — Der Bauer bleibt stät; die Partei, die zu ihm in Gegensatz tritt, wechselt mit dem Jahrhundert. In Str. 16 unsres Liedes sind die beiden letzten Zeilen wohl durch ein Versehen (vgl. Str. 17) hineingekommen. ^) — Der Anfang von Str. 17 weist deutlich darauf hin, daß sie sich nicht unmittelbar an 16 anschließen kann; hier müssen also einige Strophen fehlen. Bei einem Angehörigen des Volkes, das seine geistige Nahrung vor allem aus der Bibel zog, ist ein Interesse für religiöse und moralisch-lehrhafte Lieder leicht erklärlich. Er geht an die geistliche Lyrik seiner deutschen Mitbürger nicht heran, ohne strenge Censur zu üben; er bringt aber dafür auch dichterisches Gefühl mit, das sich, wenn auch zuweilen in unbeholfener Weise, überall kund giebt, wo er für gestrichene Verse Ersatz zu bieten bemüht ist. 32. Das Trostlied „^Varum detrüdst äu äied, wein kertn", eine Perle der religiösen deutschen Dichtung, haben wir hier auf S. 52—54. Bei WKL. Nr. 190 ist eine hd., Nr. 191 und 192 sind zwei nd. Fassungen abgedruckt; von diesen stimmen 190 und 191 bis auf geringfügige Einzelheiten genau mit einander überein, während 192 bedeutende Verschiedenheiten von jenen beiden aufweist. Grade mit dieser letzteren ist unsere Fassung sehr nahe verwandt. Zunächst hat sie mit ihr die Strophenfolge ') Ms. votrott. 2) eä. Ettmüller, Quedlinburg 1843 Nr. 244. 2) HMS. N. 309 a. 4) Uhland, Schr. IV, 158. 5) Opel-Cohn, Lieder des 30jähr. Krieges. S. 429. 6) Wie bei Str. 7 ist ein Fehlen von V. 3 anzunehmen.