Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1888
- Issue
- Heft 3
- Article
- Ueber eine Sammlung deutscher Volks- und Gesellschaftslieder in hebräischen Lettern
- Date
- 1888-01-01
- Page
- Seite 244 (sequence 13)
- Language
- German
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244 Felix Rosenberg, Ueber eine Sammlung deutscher M. ist das Lied in 4 zeit., bei Erlach (10 Str. III, 151) und in Kn. W. (6 Str.; eä. Erk III, 126) in 5zeit. Strophen abgedruckt. Das eine ist so richtig oder so falsch wie das andere, denn tatsächlich sind die ersten beiden Strophen 5zeil. mit dem Reimbau aa bb c, alle andern aber 4zeil. Der Vogel, besonders die Nachtigall, spielt in der deutschen Volksdichtung häufig die Rolle des Liebesglück Verkündenden oder Belauschenden, des Ratenden und Mahnenden. Selten jedoch deutet er allegorisch auf den Geliebten oder das Mädchen selbst (vgl. FLB. Nr. 201. U. Nr. 83). S. 101 des Ms. finden wir ein Lied, das in diese Kategorie gehört, es hat 5 7 zeit. Strophen. Einsmals schein mir die sonne, ging ich nach freud und wonne spaziren in grünen Wald; u. s. w. Unsere Fassung ist zu vergleichen mit der 5stroph. *) in KnW. eä. Erk IV, 16; die 4 letzten Verse der 2ten Str. wiederholen hier genau den Schluß der ersten; 3, 3 hat die Variante „äaZ Kleine näeliteleiii". Bedeutende Verschiedenheit weist Str. 5 auf; sie scheint Echtes und Misverstandenes zu enthalten. So wolt ich leib und leben um ein solches wächtelein geben, ich bin ein junges blut. das mich der Hetzer tut neiden, das sich das wächtelein mit freuden tut selches alles erleiden, die sich zu mir schwingen tut, Ich rechne zu dieser Gruppe auch das 9stroph. Tagelied: Wach auf, meines herzen mein schone, herzallerliebste mein :c. (Ms. S. 56) Das Lied ist korrekt abgeschrieben und hat den Sammler scheinbar sehr angesprochen; ich entnehme dies aus der Sorgfalt, mit der er graphisch die Laute wiederzugeben sucht, z. B. ist „iL" in würb (4, 2) durch uui bezeichnet. Von Varianten, die sich bei Vergleichung mit dem Text Göd-T. Nr. 77 herausstellen, erwähne ich 1, 7 vuu weiten der äriv^en, und 3, 7 äer ta^ ^111 uns desekleieneu; so auch in Bergkrehen 1574 (K. B.): „Ser taS nill mieu erZekleiekeu", während bei Göd-T. steht: „äie uaekt mir eut^eleueu". M. Aerm. kol. 752 der K. B. hat wieder (wie in unserm 6ten Liede) eine verkürzte Fassung, die letzte Str. fehlt. Ueberwiegend ist die Anzahl der Lieder, welche Trauer oder Spott über verschmähte Liebe oder den Schmerz über die Trennung zum Ausdruck bringen. ') Eine Fassung von 15 Str. bei Ditfurth, VGL. Nr. 6; diese Fassung erwähnt bei Mal. II, 711; die einfache Lektüre derselben lehrt, daß die 10 überschüssigen Strophen (4. 5. 7—12. 13. 14.) einer späteren Zeit angehören.