Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1888
- Issue
- Heft 3
- Article
- Ueber eine Sammlung deutscher Volks- und Gesellschaftslieder in hebräischen Lettern
- Date
- 1888-01-01
- Page
- Seite 239 (sequence 8)
- Language
- German
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Volks- und Gesellschaftslieder in hebräischen Lettern. 239 selben Liedes, die St. im Serapeum 1864 S. 102 mitteilt, eine andere Jahreszahl 1620 läßt aber infolge dessen den Reim vermissen. Dies Lied Pflegte zur Belustigung am Purimfeste vorgelesen zu werden; es ist also sehr wahrscheinlich, daß der jedesmalige Schreiber des Liedes die Jahreszahl einsetzte, die zu der Zeit der Niederschrift stimmte. — Alle diese Momente berechtigen, meine ich, zu der Annahme, daß das Lb. etwa in den Jahren 1595 bis 1605 geschrieben sei. Es erübrigt mir noch, einige Worte über die Prinzipien, denen ich in der Ausgabe des Lb. gefolgt bin, zu sagen. Um das in dem Ms. vorliegende Material übersichtlicher zu gestalten, habe ich die Lieder in verschiedene Gruppen geteilt; das Jnhaltsregister aber giebt eine Anschauung ihrer Reihenfolge im Ms. — Soweit es mir möglich war, habe ich jedes Lied durch Nachweisungen der Drucke, in denen es sich sonst noch findet, und durch Begleichung mit andern Lesarten oder andern Liedern, in denen ähnliche Motive verarbeitet sind, litterarisch nutzbar zu machen gesucht. — Lieder, die bekannt und in gedruckten Sammlungen leicht zugänglich gemacht sind, und deren hier vorliegende Fassungen nichts besonders Abweichendes bieten, werden nicht vollständig wiedergegeben; und da unsre Sammlung vom literarhistorischen Standpunkt nur als eine sekundäre Quelle für die Textgestaltung der Lieder gelten kann, so habe ich mich bei diesen auf die Erwähnung derjenigen (von den bekannten) abweichenden Lesarten beschränkt, welche entweder dem Sinn eine andere Wendung geben oder sich als absichtliche Aenderung des Sammlers kennzeichnen und so zu dessen Charakterisierung beitragen; aber da, wo bei bekannten guten Lesarten eineDifferenz stattfindet, und unsere Hs. einer bestimmten folgt, habe ich dies konstatiert, auch wenn die Variante nur eine grammatische ist. — Die Orthographie im Ms. ist durchaus prinzipienlos; ich habe mich nach den Grundsätzen gerichtet, die Uhland in seinen Volksliedern aufgestellt hat. Von der Richtigkeit der Ausführungen Liliencron's (Histor. Vll. I. S. X) überzeugt, habe ich, jedesmal wo im Ms. 5 neben ei und ü neben au auftritt, nicht normalisiert, sondern bin der Schreibung des Ms. gefolgt. — Wenn ich von der Lesart des Ms. abweichen zu müssen glaubte, so habe ich diese in der Anmerkung angegeben; offenbare Versehen des Schreibers aber sind stillschweigend verbessert. — Das in runde Klammern Geschlossene ( ) bezeichnet eine Ergänzung des Textes; die Worte, die in eckige Klammern s gesetzt sind, müssen nach meiner Meinung getilgt werden. — Für aed, Ls, ananäer, areiu habe ich in den deutschen Liedern auok, ist, einanäer, dereln:c. gesetzt, weil ich meine, daß man überall da, wo nachweislich eine deutsche Vorlage einfach in hebräische Lettern übertragen ist, nur den literarhistorischen Gewinn ins Auge zu fassen habe und berechtigt sei, die wenigen Spuren des jüd.-deut. Dialekts zu beseitigen. Verhältnismäßig wenige der Lieder, in denen Fröhlichkeit beim Tanze und Liebeshoffnung oder -freude erklingt, haben unfern Sammler zum Ausschreiben gereizt.