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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1888-01-01 · Heft 3 · p. Seite 238

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1888
Issue
Heft 3
Article
Ueber eine Sammlung deutscher Volks- und Gesellschaftslieder in hebräischen Lettern
Date
1888-01-01
Page
Seite 238 (sequence 7)
Language
German
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238 Felix Rosenberg, Ueber eine Sammlung deutscher dem nd. eigentümlich sind, vorkommen, handelt es sich immer um ein ursprünglich nd. Lied, das durch die Nachlässigkeit des Schreibers bei der Übertragung in den hd. Dialekt an einigen Stellen in der Form des Originals belassen wurde. Ebensowenig machen die Oertlichkeiten, deren Namen in dem Lb. vorkommen, die Annahme unwahrscheinlich. Es sind meist Städte und Dörfer, die in den jetzigen Bair. Reg.-Bez. Ober-, Mittel- und Unterfranken liegen, die also nicht eben weit von Worms sind ^). Der Sammler 2) charakterisiert sich weniger durch eine Vorliebe für eine bestimmte Liedergattung als durch die Gestalt, in der er seine Lieder aufnimmt, d. h. die Aenderungen, die er an seinen Vorlagen vollzieht. Er ist gleichsam Thorwächter. Bevor er ein Lied in seine Sammlung einläßt, muß es sich als harmlos für ihn ausweisendes darf nichts mitbringen, das mit christlicher Religion oder antijüdischer Lebensart (vgl. Nr. 28) in irgend welcher Berührung steht. Die Lieder, bei denen er solche „Flecken" findet, läßt er nicht unbehelligt passieren; sie müssen sich vorher einer Reinigung unterziehen. Oder, unbildlich gesprochen, er entfernt alle Stellen, die bei ihm als Juden Anstoß erregen, und hilft sich dann auf seine eigene Weise, indem er da, wo nun Lücken entstanden sind, Worte einsetzt, die allgemeinreligiösen Vorstellungen Ausdruck leihen. Die zahlreichen Beispiele dafür finden bei Besprechung der einzelnen Lieder Erwähnung. Die Frage, wann die Sammlung geschrieben und abgeschlossen sei, läßt sich nicht mit einem bestimmten Datum beantworten. Vieles weist darauf hin, daß das Lb. nicht in einem Zuge geschrieben ist. Die Reihenfolge der Lieder im Manuskript, die durchaus kein Prinzip wahrnehmen läßt, erweckt die Vorstellung, daß unser Sammler, wenn ihm einmal ein Lied gefiel, eine Mußestunde für dessen Aufzeichnung wählte. Auch der Umstand, daß dasselbe Lied (Nr. 47) zwei Mal (durch 23 Seiten von einander getrennt) geschrieben ist, spricht dafür; der Sammler vergaß eben, daß er dies Lied sich schon einmal notiert hatte. — Vor 1601 kann die Sammlung nicht beendet gewesen sein, da ein historisches Lied (Nr. 55) aus diesem Jahre darin enthalten ist. Auch Nr. 35 führt auf das Jahr 1601; vgl. 35, 11, 4 (iek) möedt also reiek sein al3 Neimen der, auf den hier angespielt ist, ist der freigebige Mordechai Meisel, der Führer der Prager Gemeinde, der im Jahre 1601 starb 2). — Kein Lied zwingt zur Annahme eines späteren Datums. Nr. 23 aber scheint noch im Jahre 1598 geschrieben zu sein. Daß es 1598 gedichtet wurde, ist sicher, da diese Jahreszahl im Reime steht. Nun hat eine andere Fassung des- ') Namentlich sind zu vergleichen die Lieder Nr. 23 (Lendershausen U. Fr.), Nr. 24 (Bamberger Land, Steiger Wald, Stift Fulda), Nr. 25 (Eibulstat U. Fr.). y A. Berliner hat in Hebr. Bibliographie eä. Lt. VII, 82 Mitteilungen über die Familie Wallich gemacht. Im I. 1615 hat ein Arzt dieser Familie in eine ihm gehörige hebr. Hs. die Namen seiner Verwandten eingetragen; unter diesen befindet sich auch LisiZc ^VallieU)?aru688 (Gemeindevorsteher); wahrscheinlich der, mit dem wir es zu thun haben. 2) Vgl. Zunz, zur Geschichte und Litteratur, Berlin 1845, S. 269 und 402.

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