Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1888
- Issue
- Heft 3
- Article
- Ueber eine Sammlung deutscher Volks- und Gesellschaftslieder in hebräischen Lettern
- Date
- 1888-01-01
- Page
- Seite 237 (sequence 6)
- Language
- German
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Volks- und Gesellschaftslieder in hebräischen Lettern. 237 leicht war unser Sammler derjenige, der bei der Lektüre des Buchs seines Landsmanns eine Glosse an den Rand setzte. Der Dialekt, soweit er sich in der Aufzeichnung der deutschen, aus allen Gegenden zusammengewehten Lieder erkennen läßt, spricht nicht gegen die Annahme der Wormser Herkunft des Lb.; der überwiegend hd. Konsonantismus des oberfränk. ist durchaus bemerkbar Wo Wörter, die nur 2) Eine vollständige und exacte Darstellung des spezifisch jüd.-deut. Dialektes muß späterer Zeit vorbehalten bleiben. Das hier vorliegende Material ist dafür zu dürstig; denn nur die wenigen Lieder jüdischer Verfasser können herbeigezogen werden, weil die ursprünglich deutschen Lieder bis auf seltene Einzelheiten nichts von j.-d. Dialekt enthalten. Einige Beobachtungen aber mögen hier ihren Platz finden. Das j.-d. teilt einige Eigenheiten mit verschiedenen deutschen Dialecten, so: 1) mit dem bair.-alem. (Paul, mhd. gr. 1884. §.111) die Erscheinung, daß a und o auf einander reimen und häufig für einander stehen (Ze^ar: tor ^xorta^ Nr. 38, 14, 1: 2; loben: de^aden 38, 7, 1:2; vergossen: I0886H 40, 6, 1:2, erkaren: Zeteren ^für geworden^ 29, 2, 5:6). 2) mit dem alem an. ferner, daß a auf ö reimt (Zetan: Ion 24, 2, 1:2). 3) noch weit häufiger als im späteren bair. (Paul §112) findet sich im J.-d. für nhd. au ----- muci., on die Schreibung a und Reim mit a und Z. (senadon: Fladen 35, 5. 3:4; aek: Zack 43, 6, 3:4; an": kak 23, 5, 7.8; sekaSen: laken 23, 13, 3:4; xtaSen: laken: raten 23, 20, 6:7:8). Statt „auen" ist im ganzen Ms. „aen" geschrieben. Dies ist als Merkmal des j.-d. Dial. am besten gesichert jnhd. au — mnä., u ist im Ms. entweder „u" oder „au" geschrieben^. 4) auf Einwirkung des ndrhn. Dial. scheinen die Reime 40, 7, 4:5 mitseteilt: behalt, 40, 12, 3:6 ü-euäen: Zeleiäen (für geladen) und 23, 30, 3:4 beider: seunaZer schließen zu lassen (Paul § 101). Andere Erscheinungen können unter die Tendenz einer Erleichterung der Aussprache subsumiert werden. a) Dahin gehört, daß Endkonsonanten zuweilen wegfallen; es heißt stets un statt unä (vgl. mittelengl. an nicht selten für anä); ebenso stets is für iLt. b) Ein Ausfall eines ä mitten im Worte ist namentlich bei neräen häufig (29,2. 5:6 ertaren: Zenoren; 29,14, 3:4 und 15, 3:4 kören: ^eren). Der Ausfall eines 1 bei also, wofür fast immer aso. e) Anderseits ist bei einigen Wörtern ein n eingeschoben, namentlich bei genen, stenen, sein, die sehr häufig im j.-d. genen, stenen, senen lauten, eü'. 29, 11, 5:6 stenen: kennen (Kluge im etymol. Wb. bringt stauen mit staunen zusammen; hier läge möglicherweise eine verwandte Spracherscheinung vor). Statt und neben mer, me findet sich j.-d. auch men 24, 2, 1:2 men jmaZi^: sten; 24, 7, 1:2 Zesen: men. Dies ist vielleicht auf niederd. Einfluß zurückzuführen. Die nd. Bedeutung des men — nur kommt im Lb. einmal vor (vgl. Nr. 37 kalt äiek men sueutiZ unä trouunen). ä) Für einanäer, uereln, ninaus heißt es stets ananäer, arein, anus — anaus:c. Von syntaktischen Besonderheiten sind hier im Ms. nicht viele bemerkbar. Zuweilen steht hinter dem bestimmten Artikel auch die starke Form des adj., wie noch im mhd. Nr. 45 6er stolzer mnt. Diese Eigentümlichkeit ist zum Teil auch bei den ursprünglich deutschen Liedern der Sammlung bemerkbar Nr. 16, 3 äer neUer taZ; 17, 3 unsres lanZes gekeekt. Die Form des Akkusativs statt der des Nominativs findet sich nicht selten. Ich lasse die Frage offen, in wieweit sich diabetische Verschiedenheiten innerhalb des Jüdischdcutfchen zeigen. Die hier angeführten Einzelheiten find aber, wie ich glaube, auf dem ganzen Gebiete des j.-d. anzutreffen.