Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1888
- Issue
- Heft 3
- Article
- Ueber eine Sammlung deutscher Volks- und Gesellschaftslieder in hebräischen Lettern
- Date
- 1888-01-01
- Page
- Seite 235 (sequence 4)
- Language
- German
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Volks- und Gesellschastslieder in hebräischen Lettern. 235 die bis auf charakteristische Aenderungen im Einzelnen fast wörtlich aus deutschen Dichtungen hinübergenommen sind. Einen Beitrag zur Kenntnis dieser Litteratur und zugleich eine Vorstudie für das allgemeine Thema „die deutsche Dichtung in der jüdischdeutschen Litteratur" zu liefern, ist die Aufgabe vorliegender Arbeit. Zu Grunde liegt ihr eine Handschrist, welche die LoÄIsiaua in Oxford vor einigen Jahren aus dem Nachlaß von E. Carmoly entstanden hat, um sie in die große Oppenheim-Sammlung einzureihen. Es ist ein Quartband von 57 Bll. und trägt die Signatur Ns. ox>x>. aää. 4" 136 (Neubauer, OatalvSue c>5 Ledre^ Nauuserixts Nr. 2420). Raphael Kirchheim, der in dem Catalog der nachgelassenen Bücher Carmoly's (Frankfurt a. M. 1875) das Ms. unter Nr. 191 erwähnt, hat ihm ein Titelblatt mit der hebräischen Aufschrift „Volkslieder" gegeben und die Seiten paginiert (114 S.). Diese Paginierung aber, der entsprechend das Ms. jetzt gebunden ist, hat zwei Fehler. Erstens hat R. K. übersehen oder anzudeuten unterlassen, daß die Hs. unvollständig ist. Nach S. 38 nämlich muß mindestens ein Blatt fehlen, wofür das Kriterium, zwei Eigentümlichkeiten der Auszeichnung, ganz unzweifelhaft ist: aus jeder Seite sind am unteren Rande die ersten Wörter der folgenden schon im voraus angezeigt, wofern auf dieser nicht ein neues Lied beginnt'); von jedem neuen Lied aber sind die ersten beiden Wörter mit hebräischen Quadratbuchstaben aufgezeichnet, während das Manuskript im Uebrigen kursiv-hebräisch geschrieben ist?). Die Ansangsworte aus S.39 aber stimmen nicht zu den S. 38 angegebenen und können auch nicht ein neues Lied beginnen, da sie kursiv geschrieben sind; sie gehören einem Liede an, dessen Anfang fehlt (vgl. Nr. 42 und 43). — Leicht zu beseitigen wäre der andere Fehler: S. 29—32 (Bl. 15. 16) ist vor S. 17—28 (Bl. 9—14) zu heften (vgl. Nr. 4 und das Liederregister am Schluß). Der Titel aber ist im Ganzen zutreffend gewählt. Das Ms. enthält ein Schauspiel und 54 Lieder s), von denen 12 von jüdischen berg entnommen ist. —. Eine der Fassungen dieses j.-d. Epos ist zuerst für weitere Kreise bekannt gemacht worden durch Wagenseil, in der „Belehrung der Jüdisch-deutschen Red- und Schreibart", Königsberg 1699.— In neuerer Zeit hat Av6-Lallemant die Kenntnis der hebr. Kursivschrift zu vermitteln gesucht; vgl. sein „Das deutsche Gaunertum", Leipzig 1862, Bd. III. und IV. Bei manchen Bl., die an den 3 freien Seitenrändern besonders stark beschädigt find, ist diese Zeile abgerissen. 2) Zur Vervollständigung der Angaben über die Art der Aufzeichnung sei bemerkt, daß alles dasür spricht, besonders die Einheitlichkeit des Schriftstils, daß die Sammlung mit Ausnahme des Liedes Nr. 50 von Einem herrührt. — Die Lieder sind strophisch getrennt aufgezeichnet, aber in fortlaufenden, nicht metrisch abgeteilten Zeilen. — Die Schwierigkeit des Lesens besteht nicht im Entziffern der Schrift, da diese im Ganzen ziemlich deutlich ist; sie entspringt aber dem Prinzip der (j.-d.) kurs.-hebr. Schrift/ nach welchem die Konsonanten das allein Maßgebende sind, und die Vokale nicht selten ganz weggelassen werden; so nr für ^karr«, nlt für „kalt", nnllin für „raelälsn" zc.; diese Auslassung der Vocale ist aber in der Uebertragung der hebr. Lettern auf die deutsche Sprache weit weniger häufig als im Hebr. selbst. 3) Eigentlich sind es 55 Lieder, aber eines (Nr. 47) ist zwei Mal aufgezeichnet. 16*