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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1888-01-01 · Heft 3 · p. Seite 234

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1888
Issue
Heft 3
Article
Ueber eine Sammlung deutscher Volks- und Gesellschaftslieder in hebräischen Lettern
Date
1888-01-01
Page
Seite 234 (sequence 3)
Language
German
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234 Felix Rosenberg, Uever eine Sammlung deutscher deutschen Kultur, die jenes kleine Volk verachtete und vernachlässigte, und es doch durch die Stärke ihres Stromes erfaßte und mit sich fortriß. Denn durchaus deutsch in Sprache und Geist sind zu einem großen Teile die Erzeugnisse dieser Litteratur, die sich seit dem 15. Jahrhundert') nachweisen läßt und ihre Hauptpflanzstätten, den Druckorten nach zu schließen, in allen Rhein- und Maingegenden hatte. Sie diente einer außerordentlichen Mannigfaltigkeit von Interessen 2). Für die Belehrung des Herzens und des Verstandes war gesorgt durch moralische Schriften wie „Seelenfreude" und „Zuchtspiegel", durch Bücher, die die religiösen Gebote einschärfen, durch Reisebeschreibungen, medicinische Werke und andere, die Kenntnisse zu verbreiten suchten. — Der Erbauung dienten Gebete, fromme Lieder, die zum Teil der christlichen Kirchenlhrik entnommen sind, die Übersetzungen der Psalmen u. a. m. — Aber das Publikum, auf das die jüdischen Autoren rechnen durften, war vor allem unterhaltungsbedürftig; und wo die Unterhaltung sich gleichzeitig an das fromme Gemüt wandte, wo sie sich also mit der Erbauung verband, da war der buchhändlerische Erfolg ein außerordentlicher. Die Geschichten,- die von den wunderbaren Rettungen der Gottesfürchtigen in ihrer spannenden Weise erzählen, die haggadischen Ausschmückungen der Bibel, die frommen Legenden, die von alter Tradition ererbt waren, sie erlebten eine Auflage nach der andern. Aber alles dies reichte für das vorhandene Bedürfnis nicht aus; und hier besonders setzt der Einfluß der deutschen Umgebung ein: was die Phantasie der deutschen Dichtung aufgespeichert hatte, ihre Abenteuerromane, ihre Balladen, ihre Volkslieder, das nutzten die jüdischen Schriftsteller für ihr Publikum aus. Dieser Teil des jüdischen Schriftenkreises zerlegt sich bequem in zwei Gruppen. Die eine weist Werke auf, die bestimmte Vorbilder aus der deutschen, resp. europäisch-christlichen Litteratur haben, aber in der Ausführung ganz original sind ^); die andere besteht in Schriften, 2) Das frühe Auftreten eines jüd. Minnesängers, des Süßkint von Trimberg, ist als eine ganz vereinzelte Erscheinung aufzufassen. Ueber ihn in Verbindung mit der j.-d. Litteratur sind zu vgl. die Ausführungen von Creizenach und Hildebrand auf der XXXVI. Philologenversammlung (german. Section) iu Würzburg; Germ. 1869, 127 f. 2) Das Folgende ist nur in allgemeinsten Umrissen gehalten. Zu vgl. find Herman Lotze in Arch. f. Ltg. ed. Gosche I, 90—101 und St., ^rek. II, 1—21. — Ermöglicht ist ein Ueberblick über das ganze Feld durch St.'s ziemlich erschöpfende Bibliographie j.-d. Drucke und Hfs. im Lerapsnin eck. Naumann 1848. 49. 64. 66. 69. Grünbaum in seiner Jüdisch-deutschen Chrestomathie (Leipzig 1882) berücksichtigt nur j.-d. Übersetzungen von hebr. Schriftwerken. Sehr dankenswert sind die gebotenen Texte. Die daran geknüpften Bemerkungen aber sind teils weitschweifig und unklar (z. B. S. 380, Z. 1—6), teils vollkommen unrichtig (z. B. S. 193 „die profan-belletristische Litteratur in deutscher Sprache" wäre unter den Juden „wenig bekannt" gewesen). Wo die Münchener Bibl. den Verf. im Stich läßt, hört seine Kenntnis auf, da er doch aus St.'s eben erwähnten Artikeln sich leicht hätte Rat holen können. 2) Dahin gehören u. a. das „Danielbuch" und das „Buch der Könige", zwei große Epen in der Nibelungenstrophe gedichtet. — Sehr beliebt und weitverbreitet war „König Artus Hof", dessen Stoff dem Wigalois des Wirent von Grafen-

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